Wie mit vermeintlichem ADHS-Mitarbeiter sinnvoll umgehen?

Austausch/Diskussion

Zunächst, ich glaube das wird etwas länger. Gleichzeitig mache ich etwas was man eigentlich nicht tuen sollte, privat und arbeit zu sehr vermischen, und dabei vielleicht sogar ein wenig emotional in der Arbeitswelt sein. Auch weiß ich nicht sicher ob er wirklich ADHS hat, sein Verhalten lässt darauf schliessen. Vermutlich wird das einige Downvotes einbringen, bestimmt wird mir das Schwarmwissen aber auch helfen können oder mir eben doch zeigen dass ich etwas professioneller sein muss in der Arbeitswelt.

Ich arbeite bei einem relativ grossen Konzern in der IT (wie wohl die meisten Deutschen auf Reddit) und habe über unseren Lieferanten u.a. ein kleines Entwicklerteam in Osteuropa.
Dort ist einer dabei, welcher immer wieder besonders auffällt während irgendwelcher Websessions. Entweder er schickt währenddessen völlig sinnfreie Reaktionen, wie Herzchen, Applaus, etc. Oder er schickt irgendwelche Strandbilder, Zitate, Gifs usw. über den Chat, Anfangs dachten wir er hätte versehentlich das falsche Fenster erwischt. Nachdem das eigentlich jedes Mal passiert ist es wohl doch Absicht.
Wenn er dann mal redet, dreht er sich im Kreis, wiederholt 8 mal das gleiche was gerade nicht läuft oder schweift total vom Thema ab.
Das fällt natürlich auch anderen Kollegen auf, da wir sehr viel Teamübergreifend arbeiten.

Zu seiner eigentlichen Arbeit, er verliert sich oft und gerne in Details oder trödelt anderweitig rum. Hat einfach Schwierigkeiten die Prioritäten selbst richtig zu setzen. Gleichzeitig aber, ist die Arbeitsanweisung klar, kann der abartig performen. Er hat auch schon Dinge abgeliefert, der war nach 1,5h fertig, da hätte ich selbst oder auch jemand anders einen Tag für gebraucht.
Er ist noch relativ jung, seit 3 Jahren wirklich in der Arbeitswelt, und durchaus lernfähig.

Jetzt kommt der Punkt an dem es für mich schwierig wird. Ich habe selbst einen Sohn mit ADHS, Autismus und diversen anderen Diagnosen. In dem Verhalten des Kollegen erkenne ich ganz oft meinen Sohn wieder und er hat auch seine Qualitäten. Ich will ihm auch wirklich seine Chance geben und würde auch gerne mehr von seinem Potenzial nutzen. Jetzt steht mir aber meine Chefin auf den Füssen, was denn mit dem einem Menschen sei, warum wir dafür Geld bezahlen und eigentlich will sie, dass ich ihn loswerde.

Bis Ende diesen Jahres kann ich ihn noch Problemlos halten. Gerne würde ich die kurze Zeit nutzen ihn etwas besser dastehen zu lassen. Den Tip nicht den „Meeting-Clown“ zu spielen habe ich ihm bereits rüber geworfen, wurde aber wohl nicht wahrgenommen, oder eher ignoriert.
Jetzt stellt sich mir die Frage, wie geht es weiter? Wir arbeiten mit Scrum, sprich jemand kommt auf mich zu, ich klopfe die Requirements ab, schreibe das was gebraucht wird in einer Story zusammen, weise diese zu und halte immer wieder mal Rücksprache, bzw 3x wöchentlich für 20 min besprechen wir im Team die Fortschritte. Die Entwickler picken sich deren Stories raus, setzen das um, melden sich bei Rückfragen.
Sicherlich könnte ich jetzt für speziell ihn alles detaillierter runterschreiben, ihm sagen womit er zu welchem Zeitpunkt starten muss und bis wann er es fertig haben soll. Problem an der Sache, die Zeit dazu habe ich nicht.

Wie würdet ihr mit so einer Ressource umgehen? Eigentlich ein wirklicher High-Performer, mit wirklich breitem und auch Fachübergreifendem Wissen, der aber sehr viel Führung benötigt?
Ich würde sagen bei ihm fehlt einfach die intrinsische Motivation, etwas einfach mal von sich aus, zu erledigen?
Nochmal ein Gespräch unter vier Augen (über Zoom), mehr Zeit in Führung investieren, ihn doch ersetzen, …. Wie würdet ihr diese Ressource weiterentwickeln, bzw. weiter mit ihm verfahren?
Bis Ende diesen Jahres kann ich ihn problemlos halten. Da wird niemand rausgeschmissen, ist ja Weihnachten und so…

Ich möchte ihn eigentlich ungerne wegschicken müssen, zum einem weil er eigentlich was kann, was er aber nicht immer zum Besten gibt. Zum anderen weil ich ihm eben eine Chance geben will, vermutlich aber auch weil es hier einfach etwas emotional wird, da ich ihn wegen meines Sohnes, wohl zu gut verstehe. Gleichzeitig will ich mich meine Leistung auch nicht unbedingt hinten anstellen. Zumal ich ab Januar einen neuen Mitarbeiter in meinem Team vor Ort einlernen muss und ab Ende Februar zusätzlich noch einen Lehrling bekomme. Was wären eure Ansätze für dieses Problem?

Posted Dec 7, 2023, 3:53 AM UTC

4153
Loading comments…