Thema: Meine Mutter verteidigt plötzlich die AfD – wie reagieren?

Familie

Kurzfassung, weil halbe Bibel: Meine Familie hat viele AfD-Sympathien, vor allem mein Onkel und mein Vater. Ich habe lange geschwiegen, doch in letzter Zeit angefangen, meine Meinung zu äußern. Nun hat meine Mutter, die bisher eher unpolitisch war, die AfD verteidigt. Ich frage mich, ob und wie ich mit ihr darüber sprechen soll, ohne unsere Beziehung zu belasten. Hat jemand Tipps, wie man mit politischen Differenzen in der Familie umgeht?

Hallo zusammen,

ich bin gerade ziemlich verunsichert und hoffe, hier Rat oder Erfahrungen von anderen zu bekommen.

In meiner Familie gibt es schon seit Jahren viele AfD-Sympathien, vor allem bei den männlichen Mitgliedern. Mein Onkel ist extrem informiert über alles, was mit der Partei und ihrer Politik zu tun hat, argumentiert sehr überzeugend und kann komplexe Szenarien aufbauen, die auf den ersten Blick plausibel wirken. Er kann zum Beispiel mit voller Überzeugung erklären, warum der Klimawandel angeblich nicht existiert, und solange man nicht gezielt Faktenchecks macht oder Quellen anfordert, klingt es fast schlüssig. Mein Vater hingegen ist weniger reflektiert – er plappert eher nach, was die Bild oder die AfD sagen, und Grünen-Bashing ist bei Familientreffen Standard. Die meisten anderen in der Familie sind meiner Einschätzung nach nicht ganz so tief drin, aber sie stimmen oft zu und lassen sich mitziehen.

Lange Zeit habe ich mich einfach zurückgehalten und nichts dazu gesagt. In letzter Zeit habe ich aber angefangen, meine eigene Meinung zu äußern und vorsichtig zu diskutieren – manchmal etwas kooperativer, manchmal etwas bestimmter. Aber ich merke, dass mir das nicht guttut. Es fühlt sich oft so an, als würde ich gegen eine Wand reden. Inhaltlich kommen wir auf keinen Nenner, und in manchen Momenten frage ich mich sogar, ob es sich überhaupt lohnt, zu diskutieren.

Vor ein paar Wochen kam es dann zu einem ernsten Zwischenfall mit meinem Vater. Er machte mir deutlich, dass er meine Ablehnung der AfD als persönliche Ablehnung ihm gegenüber sieht. In seinen Augen bin ich entweder auf seiner Seite oder gegen ihn – und falls Letzteres der Fall ist, wäre ich für ihn „unten durch". Das hat mich sehr verletzt, und es war der Moment, in dem mir wirklich bewusst wurde, wie weit seine Radikalisierung bereits fortgeschritten ist. Daraufhin kam es zu einem Streit, nach dem wir für eine Weile nicht mehr miteinander gesprochen haben. Später am selben Tag entschuldigte er sich jedoch und meinte, dass er Politik eigentlich nicht in die Familie bringen wolle. Er gab zu, dass er selbst merkt, wie ihn das Thema ständig aufregt und seine Laune beeinflusst. Seitdem haben wir nicht mehr über Politik geredet, doch unser Verhältnis fühlt sich distanzierter an. So sehr mich das auch schmerzt, habe ich irgendwie gelernt, damit umzugehen und es zu akzeptieren.

Gestern, bei einer Familienfeier, redete mein Onkel wieder einmal stundenlang über Politik. Mein Vater hielt sich zunächst komplett raus, was mich hoffen ließ, dass er Streit vermeiden oder Rücksicht auf mich nehmen wollte. Irgendwann begann ich – leider – mit meinem Onkel zu diskutieren. Zunächst ging es um eher harmlose Themen, doch es driftete schnell in eine politische Debatte ab. Mein Vater stieg schließlich ein, und ich fand mich in einer Diskussion mit beiden wieder, während andere Familienmitglieder gelegentlich zustimmende Bemerkungen einwarfen. Ich weiß nicht, ob das meine Mutter beeinflusst hat oder ob sie ihre Meinung unabhängig davon gebildet hat. Umso mehr hat es mich überrascht, da sie bisher eher unpolitisch war und tendenziell linke Werte vertreten hat. Ihre Begründung war, dass „alle immer nur sagen, dass die AfD ausländerfeindlich sei, aber das ja gar nicht stimme“ und dass sie „gut für die Wirtschaft“ sei.

Ich will sie nicht angreifen oder unsere Beziehung belasten, aber ich weiß auch nicht, wie ich damit umgehen soll. Ich frage mich, ob es sinnvoll ist, ruhig mit ihr zu sprechen und ihr vielleicht andere Perspektiven aufzuzeigen – oder ob ich das Thema lieber ruhen lassen sollte, um nicht noch mehr Konflikte in der Familie zu schüren.

Hat jemand von euch Ähnliches erlebt? Wie geht ihr mit so einer Situation um? Sachliches Argumentieren bringt in meiner Familie generell nichts, vielleicht aber bei meiner Mutter. Ich möchte sie jedoch nicht manipulieren – sie ist eine erwachsene Frau und soll selbst entscheiden, was sie denkt und wählt. Gleichzeitig möchte ich, dass sie weiß, wie mich das Ganze emotional belastet, denn sie war und ist die einzige Person in meiner Familie, bei der ich mich wirklich wohlfühle. Ich bin für jeden Rat dankbar. Mir geht es nicht darum, meine Familie zu bekehren oder ihnen ihre Meinung zu verbieten – ich möchte nur einen Weg finden, mit diesen Differenzen umzugehen. Zudem macht mir die gesellschaftliche Spaltung insgesamt große Sorgen, und ich sehe mit Bedauern, wie sich diese auch innerhalb meiner Familie widerspiegelt. Ich möchte nicht, dass politische Differenzen uns auseinanderbringen, aber es fällt mir schwer, über bestimmte Themen einfach hinwegzusehen, weil sie so fundamental sind.

Liebe Grüße

Posted Feb 19, 2025, 12:22 PM UTC

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