Drehe ich durch?

Gesundheit

Vor 7–8 Jahren hatte ich eine Panikattacke, ohne zu wissen, dass es eine war. Erst als ich es irgendwann spontan jemandem erzählt habe, wurde mir klar, dass die Symptome genau dazu passten. Cool. Wusste ich nicht.

Wenn ich jetzt zurückblicke, sehe ich, wie sehr sich nach diesem Tag alles verändert hat.

Ich bin nicht mehr rausgegangen, außer wenn ich zur Arbeit musste. Mein Abitur habe ich abgebrochen, weil mir das zu viele Menschen in einem Raum waren und ich keine Möglichkeit hatte, abzuhauen, wenn es sein musste. Mit Freunden habe ich mich ab und zu getroffen – aber nur, wenn ich entweder mit dem Fahrrad (früher) oder dem Auto (jetzt) hinfahren konnte. Einfach, um jederzeit die Option zu haben, zu verschwinden, falls es mir zu viel wird.

Dann kam Corona. Ich habe mich an die Stille gewöhnt. An das Alleinsein. Jetzt kann ich Lärm nicht mehr ertragen. Kurz gesagt: Ich wollte und will einfach nur zu Hause sein, was mittlerweile auch schwer ist.

Ich hatte und habe viel mit Depressionen zu kämpfen. Ich war auch beim Arzt, habe Tabletten bekommen. Soziale Ängste? Check. Depressionen? Check. Aber seit Kurzem ist noch etwas dazugekommen. Angst. Nicht die Angst, etwas nicht zu schaffen oder zu versagen. Sondern Angst vor … allem? Der Grund, warum zu Hause sein auch schwer ist.

Wenn ich im Bett liege und ein Geräusch von oben höre – von meiner Nachbarin, einer alten Dame, die nachts oft herumläuft, weil sie Schlafstörungen hat – jagt mir das eine Heidenangst ein. Nicht, weil ich denke, dass ein Einbrecher kommt. Sondern weil ich mir vorstelle: “Okay, wenn ich jetzt die Tür aufmache, um aufs Klo zu gehen, steht da bestimmt eine gruselige Gestalt, die ihren Kopf aus der Badezimmertür steckt. Die wartet nur, dass ich nach dem Geräusch nachsehe.“ Also bleibe ich liegen. Bis es hell wird. Mit einer vollen Blase.

Ein anderes Beispiel: Ich höre mit Kopfhörern Musik, mein Rücken zeigt zur Tür. Zufällig, während ich mir das Ohr kratze, knarrt es von oben. Und aus Angst, dass jemand hinter mir steht, drehe ich mich nicht um. Ich bleibe einfach so verkrampft liegen – bis es hell wird.

Seit ich 13 bin, schlafe ich nur mit Hintergrundgeräuschen. Ich lasse eine Serie laufen, damit es nicht ganz still ist, damit ein wenig Licht da ist. Mittlerweile schlafe ich mit grellem, weißem Licht und einer so lauten Serie, dass ich kaum einschlafen kann – aber ohne geht es gar nicht. Ohne bekomme ich vor Angst kein Auge zu.

Ist das normal, oder drehe ich langsam durch? Ich würde nämlich echt gerne nachts in Ruhe aufs Klo gehen können, bevor ich platze.

Posted Mar 16, 2025, 1:04 AM UTC

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