Ihr solltet alle mehr lügen!

Ok clickbait Titel zuende

Ich lese hier immer wieder Posts darüber, dass OPs, Hormone und weiteres abgelehnt werden aus verschiedensten Gründen. Auch im privaten Umfeld sehe ich das super häufig, weil ich in einem queeren Verein ehrenamtlich arbeite.

Die häufigsten Gründe sind Dinge wie:

  • nicht binär sein
  • Autismus/ADHS
  • selbstverletzendes Verhalten
  • nicht lange genug geoutet/offen trans gelebt
  • bi/homosexuell sein
  • andere psychiatrische Diagnosen (vor allem Bordline und Depressionen)
  • sexuell erregt sein, wenn man im echten Geschlecht lebt/angezogen ist (z.B Kleid tragen als trans Frau oder strap als trans Mann)

Eigentlich ist es sehr wichtig mit Psychiatern ehrlich zu sein. Die Leute wollen euch im Normalfall helfen (auch wenn es nicht so wirkt), ja es gibt schlechte, aber im Grunde wollen sie euer bestes.

Hier ist das große aber, wenn ich Trans seid ihr das häufig nicht mehr der Fall. Ganz einfach, weil Trans sein keine psychiatrische Erkrankung ist, leider aber so behandelt wird. Wir passen in das ganze Konzept Psychiater einfach nicht rein und die meisten sind entweder überfordert, wissen nicht genug oder schlichtweg transphob. Selbst wenn ihr einen sehr guten Psychiater habt (ich hatte sehr viel Glück), sobald es um OPs geht muss der Medizinische Dienst entscheiden und die kennen euch nicht. Die haben ihre Listen und hacken einfach nur Diagnose Kriterien ab, das war's. Natürlich wollen die möglichst wenige Maßnahmen zahlen und genehmigen es deswegen vor allem den Leuten, die dort gut rein passen.

Ihr dürft und müsst lügen. Ihr macht die Zwangstherapie ja nicht, damit ihr irgendwie geheilt werden vom trans sein. Die Diagnose Kriterien sind so streng und so sinnlos daher geholt, dass es eigentlich nur Gate keeping ist.

Nicht binären Menschen haben laut Diagnose Kriterien keinen Anspruch auf Hormone und OPs, aber das muss da ja niemand wissen. Was hält euch davon ab zu behaupten ihr währt binär trans? Nichts außer eure Worte.

Fast jede trans Person hat psychiatrische Probleme wie Angststörungen und Depressionen, ganz einfach weil Dysphorie scheiße weh tut und uns die Gesellschaft diskriminiert. Dysphorie und depression wegen fehlendem passing geht allerdings mit Transition von selber zurück oder ganz weg. Heißt, normale Psychotherapie bringt da einfach wenig. Es ist komplett sinnbefreit, dass von uns erwartet wird komplett 100% Stabil zu sein, das können wir ohne transition ja gar nicht sein. Also, wenn euch jemand fragt ob ihr euch selbst verletzt habt, Suizid Gedanken habt oder irgendwas, dann sagt ihr nein. Ihr seid stabil.

Wenn ihr gefragt werdet, seit wann ihr wisst, dass ihr trans seid dann legt euch eine Geschichte zurecht. Natürlich gab es Anzeichen in der Kindheit, auf jeden Fall hasst ihr alles an eurem Geburtsgeschlecht und wollt auf jeden Fall als cis passen. Das wahr schon in der Pubertät klar und ihr habt es ja auch natürlich mit allem anderen schon probiert.

Falls ihr eine ADHS/Autismus Diagnostik macht wartet verdammt nochmal bis nach der Indikation, falls das irgendwie möglich ist. Nicht immer machbar, aber falls es geht tut es. Falls die schon da sind, dann seid ihr natürlich trotzdem 100% stabil, kommt mit eurem Leben super klar und könnt alles komplett alleine entscheiden. Das selbe gilt für eigentlich alle psychiatrischen Erkrankungen.

Vor allem bei trans Männern und afab nicht-binären Menschen kann euch auch sexueller Missbrauch, Essstörungen oder Mobbing in der Vergangenheit von der Indikation abhalten. Da wird häufig die Dysphorie auf diese Dinge geschoben, obwohl das extrem selten ist.

Für trans Frauen und amab nicht-binäre Menschen gibt es oft Probleme, wenn diese erwähnen, dass sie im sexuellen Kontext gerne weiblichs Klamotten tragen oder davon sogar erregt sind. Dort heißt es dann, das ganze ist nur ein fetisch. Erwähnt das nicht.

Hier sind ein paar Dinge die Psychiater und Gutachter gerne hören:

  • ihr wisst schon lange, dass ihr trans seid und eure Entscheidung zur Transition ist schon lange fest
  • ihr habt Unterstützung im Alltag (Freunde, Familie, queere Vereine)
  • ihr habt euch in Gruppen eures Geburtsgeschlechts nie dazugehörig gefühlt bzw. Ihr habt euch in Gruppen eures echten Geschlechts wohler gefühlt
  • ihr habt als Kind lieber mit Spielsachen des echten Geschlechts gespielt
  • ihr fühlt euch nur in Klamotten des echten Geschlechts wohl
  • körperliche Dysphorie ist stark und auch bei euren Genitalien vorhanden

Falls ihr schon Diagnosen habt ist das natürlich schwer und ich weiß, dass das nicht immer möglich ist. Falls ihr tatsächlich stark instabil seid und Therapie benötigt ist das eine andere Sache. Da müsst ihr entscheiden was ihr macht. Ich kann hier kein Bauplan zur Genehmigung von Maßnahmen für alle geben. Das was ich hier geteilt habe sind nur Berichte aus meinen und den Erfahrungen von vielen anderen Menschen.

Noch ein sehr wichtiger Punkt, eine Ablehnung heißt nicht eine Ablehnung für immer. Ihr könnt das ganze mehrfach einreichen, ihr könnt einer Absage widersprechen, ihr könnt andere Gutachter fordern und ihr könnt Dinge einklagen. Dafür gibt es auch Organisationen mit finanzieller Unterstützung und Rechtsberatung, aber damit kenne ich nicht nicht gut aus. Es ist sehr wahrscheinlich, dass ihr Dinge mindestens zwei Mal einreichen müsst und absagen widersprechen müsst. Das ist nicht nur bei trans Maßnahmen so, dass ist bei Krankenkasse und dem MD immer so. Ich bin körperlich behindert und trans, alle meine medizinischen Maßnahmen sind IMMER ein Kampf.

Die Kassen und der MD sind nicht eure Freunde. Sie sind nicht fair zu uns, also wieso sollten wir fair zu ihnen sein? Seid nicht leichtgläubig und denkt mit Ehrlichkeit und den Spielregeln folgen kommt ihr weit, so funktioniert das System nicht.

Passt auf euch auf, handelt in eurem besten Interesse. Seid ehrlich so lange ihr es sein könnt (das ist natürlich immer am besten), aber wenn euch die Ehrlichkeit von lebenswichtigen medizinischen Maßnahmen abhält ist es absolut moralisch vertretbar zu wichtig zu lügen. Ihr Versucht ja nicht unfair irgendwas zu erschleichen, was ihr nicht wirklich braucht, sondern einfach nur das zu bekommen was ihr verdient

Posted May 7, 2025, 2:31 PM UTC

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