Industrie oder Professor

Berufsberatung

Hallo zusammen,

Ich bin in einer mentalen Zwickmühle.

Ich bekam heute einen Anruf eines ehemaligen Professors das ein Kollege (mein damaliger Lieblingsprofessor) in Rente gegangen ist. Die Person die mich angerufen hat, hat die Stelle ausgeschrieben und ist Teil des Gremiums. Kurz gefasst Ich hätte "sehr sehr gute Chancen" auf die Professur wenn ich mich denn bewerben würde. Ich weiß natürlich nicht zu 100% ob ich die Stelle bekommen würde, aber möchte mich aus Fairness auch nicht bewerben wenn Ich selbst dann doch absage wenn Ich sie bekomme.

Er hat mir lange und ausgiebig versucht zu erklären wie es generell bezüglich Vergütung, Verbeamtung etc. abläuft da wohl einige Profs schon gekommen sind und danach mehr oder weniger direkt gekündigt haben als Sie gemerkt haben was Sie eigentlich verdienen und was man im Vergleich in der Industrie verdient.

Es ist eine HS Professur - Laut einem Gehaltsrechner für verheiratete mit 2 Kindern in Steuerklasse 3 gibt es da ca. 6017€ Netto.

Hier muss man aber noch Krankenkasse abziehen. Da meine Frau nicht arbeitet wegen 2 kleinen Kindern muss Ich sie mit versichern. In einer privaten KV bedeutet das ca. 250€ für mich, 150€ pro Kind und nochmal 250€ für die Frau. Also bleiben 5217€ Netto - Ob das aber stimmt weiß ich nicht genau. Eventuell könnte ich mich auch in die freiwillig gesetzliche versichern aber dann gibt es keinen AG Zuschuss also ca. -900€ was auf 5117 Netto rausläuft.

In meiner jetzigen Position verdiene Ich 5050€ Netto (wohl gemerkt in Steuerklasse 3 und Alleinverdiener einer 4 Köpfigen Familie).

Wir bezahlen auch ein Haus ab mit 2000€ Rate. Aktuell bleiben uns nach Abzug von allem, incl. essen ca. 1000€ zum sparen/investieren da wir sehr spartanisch leben (Keine Urlaube, 15 Jahre alte Autos zum Beispiel)

Warum ist es für mich schwer?

Aktueller Job: 100% Homeoffice, Sehr gute Kollegen und macht Spaß. Work Life Balance ist extrem gut. Gehaltsaussicht ist 2% im Jahr ohne eine Beförderung (Mit Beförderung einmalig 5-10%). Inhaltlich ist die Arbeit komplett was anderes wie das Lehrgebiet der Professur.

Professur: Ich fühle mich für die Stelle tatsächlich wie "berufen". Deshalb wurde ich auch angerufen, weil die Person genau weiß was ich gerne mache und das auch kann. In diesem Gebiet zu arbeiten ist eigentlich mein Traum (Weiß aber nicht ob die Lehre an sich mein Traum ist oder nur in dem Umfeld zu arbeiten). Hört sich natürlich doof an, aber einen gewissen sozialen Status als Prof hat man dann schon in seinem Umfeld. Gehaltsentwicklung wird ca. 2% im Jahr sein und es gibt keinerlei Möglichkeiten mehr zu verdienen. Es wird wahrscheinlich viele undankbare Aufgaben geben die man freiwillig machen muss und nicht vergütet werden.

Ich bin jetzt 36. Falls ich die Professur annehme würde ich mich für den Rest meines Lebens eigentlich daran binden. Das heißt Karrieremäßig Endstation. In meiner jetzigen Position bin ich im Mittelstand und es gibt da theoretisch endloses Potenzial nach oben.

Ich weiß das alles hier ist extrem spezifisch und keiner kann mir etwas definitiv sagen. Habt ihr irgendwelche Ratschläge für mich? Fragen die ich mir selbst stellen sollte? Hatte jemand eine ähnliche Situation, und wenn ja wie habt ihr euch entschieden?

Posted May 14, 2025, 3:09 PM UTC

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