Fiebertraum Psychiatrie
Muss mal kurz die Erfahrung meiner letzten Tage loswerden.
Mein Leben geht seit einem halben Jahr Berg ab (hab ich glaube ich in einem anderen Beitrag schonmal geschrieben). Trauriger Höhepunkt war vergangene Woche, wo an einem Tag wirklich alles zusammengekommen ist. Das hat mich so umgehauen, dass ich lieber mal die Krisenhotline-Reißleine gezogen hab. War auch gut und wichtig.
Ich hab mich zugesoffen, eventuell auch ein bisschen stärker gekratzt und mich dann einweisen lassen.
Jetzt die Schimpfung: Weil ich alkoholisiert war bin ich automatisch auf die geschlossene Suchtstation gekommen. Zum ausnüchtern, so weit so logisch.
Ich häng hier aber seit vier scheiß Tagen rum! Ich war in der selben Nacht noch wieder nüchtern. Trotzdem wird man behandelt wie ein Abhängiger, nicht wie ein verzweifelter Depressiver. Klar müssen die auch auf Nummer sicher gehen, weil Suchtkranke halt auch oft Mist erzählen.
Aber die Blutprobe, Urinprobe, das Stationsgespräch, die ärztlich belegte Vergangenheit und die freiwillige Einweisung zeigen alle zu 100% warum ich hier bin.
Aber am Wochenende werden grundsätzlich keine Entscheidungen getroffen. Wenigstens den Arm haben sie gut verbunden.
Dann akzeptiert man erstmal, ist ja auch ein geschützter Raum und es gibt Kontrollen.
Dann schafft man es bis Montag, Chefarztvisite. Man schildert alles, die 7 Leute die um dich rumsitzen versichern sich, dass es einem wieder besser geht und man klärt noch einmal, dass man nicht Suchtkrank ist.
Das Ende vom Lied nach 3 Tagen warten: Wir schauen morgen, ob wir einen Platz auf der offenen Psychosomatischen haben, ansonsten darfst du heim.
Leute.. Ich bin freiwillig hier, ich hätte schon am Samstag einfach heimgehen können! Ich hab sehr viel Verständnis für die Mitarbeiter*innen und die Fülle an depressiven Menschen, die die Kliniken überrennen, aber wtf ist das?? Falsche Station, das Pech von extrem aggressiven Junkies um einen rum und dann schlägt man sich in der Hoffnung auf Hilfe doch n paar Tage durch und wird quasi wieder entlassen?
In Krisen ist die Psychiatrie ultra wichtig, aber scheiße ist das ein unorganisierter, überfüllter und nicht hilfreicher Scheißladen. Immerhin habe ich mal n Jahr mit Suchtkranken gearbeitet und konnte einem gute Tipps geben, aber abgesehen von den ersten 24h hat mir der Besuch exakt NICHTS gebracht.
Können wir so wichtige Einrichtungen bitte endlich vernünftig ausstatten?
PS: Bei Krisen ist es trotzdem ULTRA-wichtig und richtig das Krisentelefon in Anspruch zu nehmen.
Posted Aug 4, 2025, 4:36 PM UTC