USA greifen nach Konzernanteilen, beginnt jetzt die stille Verstaatlichung?

In den letzten Tagen taucht in den US-Medien ein Begriff auf, den man dort eigentlich kaum kennt: eine mögliche Teil-Verstaatlichung von Konzernen. Trump und seine Administration spielen derzeit mit dem Gedanken, direkte Unternehmensbeteiligungen einzugehen und das nicht nur in einzelnen Branchen, sondern gleich in über 30 Industrien, die als „strategisch relevant“ für die nationale Sicherheit gelten. Was auf den ersten Blick wie ein Mittel aus der Werkzeugkiste autoritärer Systeme wirkt, ist in Wahrheit der Versuch, Kontrolle zurückzugewinnen in einer Phase, in der die USA geopolitisch und wirtschaftlich enorm unter Druck stehen.

Betroffen sind vor allem Firmen aus dem High-Tech- und Rohstoffbereich. Ein prominentes Beispiel: Lithium Americas. Das Unternehmen betreibt mit „Thacker Pass“ eines der größten Lithiumprojekte in den USA, Rohstoff Nummer eins für Batterien und E-Mobilität. Die Regierung plant, sich über Gratis-Warrants bis zu 5 % am Unternehmen zu sichern, im Gegenzug für massive Bundesfinanzierungen. Nichts anderes als ein staatlicher Einstieg über die Hintertür. Ähnlich sieht es bei Intel aus: Auch hier steht ein Einstieg des Staates im Raum, indem Subventionen oder Förderungen in Eigenkapital umgewandelt werden. Intel selbst warnt schon jetzt, dass ein solcher Schritt internationale Geschäfte gefährden könnte, weil Partnerstaaten skeptisch reagieren würden, wenn plötzlich die US-Regierung als Miteigentümer am Tisch sitzt. Und selbst Rüstungsriesen wie Lockheed Martin, Boeing oder Palantir werden genannt, allesamt Firmen, die ohnehin eng mit Washington verflochten sind, nun aber vielleicht auch in Eigentümerlisten auftauchen könnten.

Man muss sich klarmachen, was das bedeutet: Die USA, die jahrzehntelang den Freien Markt und den Schutz privater Unternehmen als Dogma verteidigt haben, greifen jetzt selbst aktiv in die Eigentumsstrukturen ein. Offiziell, um nationale Sicherheit zu gewährleisten und kritische Lieferketten zu stabilisieren. Inoffiziell aber auch, weil die Regierung keine andere Wahl sieht. Die Pandemie, der Handelskrieg mit China, die Abhängigkeit von Halbleitern aus Taiwan und Südkorea, die Unsicherheit rund um Energieversorgung und seltene Erden, all das zwingt die Administration dazu, den Markt stärker an die politische Leine zu nehmen.

Für Investoren ist das ein zweischneidiges Schwert. Einerseits gibt es Sicherheit: Unternehmen, die als „systemrelevant“ gelten, dürften kaum pleitegehen, wenn der Staat selbst Anteile hält. Andererseits verzerrt das massiv den Wettbewerb. Firmen mit guter Lobby haben bessere Karten, während kleinere Player abgehängt werden. Vor allem aber bedeutet es: wirtschaftliche Entscheidungen sind plötzlich wieder politische Entscheidungen. Und das kann Investoren teuer zu stehen kommen.

Genau hier wird der Bezug zu Krypto spannend. Bitcoin ist in diesem Szenario das genaue Gegenteil: kein Staat, keine Regierung, kein Präsident kann einfach Anteile erwerben, um Einfluss zu nehmen. Das Protokoll bleibt neutral, egal ob Trump, Biden oder Xi Jinping am Ruder sitzt. Wenn ganze Industrien in den USA künftig unter teilstaatlicher Kontrolle stehen, dann wächst das Bedürfnis nach Assets, die sich politischer Einflussnahme entziehen. Bitcoin wird in so einem Umfeld nicht nur als Hedge gegen Inflation gesehen, sondern als Hedge gegen politische Willkür.

Auch für den DePIN-Sektor hat das Signal Gewicht. Projekte wie Filecoin, Render oder Akash bauen auf die Idee, Rechenleistung, Speicher und Infrastruktur dezentral zu verteilen, unabhängig davon, ob ein Staat plötzlich in die Eigentümerstrukturen eines Intel oder Nvidia eingreift. Je stärker die Regierung versucht, sich Kontrolle zu sichern, desto attraktiver werden Modelle, die genau das ausschließen.

Mein persönliches Fazit: Wir sehen hier einen historischen Wendepunkt. Die USA flirten mit einer Form von Industriepolitik, die sie jahrzehntelang kritisiert haben. Für traditionelle Märkte bedeutet das Unsicherheit, für Krypto aber ein weiteres Argument, warum ein unabhängiges, globales System gebraucht wird. Wenn die Regierung die Finger in Firmenbilanzen hat, dann wird Bitcoin zum klaren Gegengewicht, ein Asset, das niemandem gehört und trotzdem allen.

Quellen:

https://www.reuters.com/business/healthcare-pharmaceuticals/trump-administration-targets-deals-dozens-industries-before-midterms-2025-10-02/

https://www.reuters.com/business/autos-transportation/us-government-take-5-stake-lithium-americas-joint-venture-with-general-motors-2025-09-30/

https://www.reuters.com/world/china/trump-weighs-taking-stake-intel-bloomberg-news-reports-2025-08-14/ https://www.reuters.com/world/china/intel-warns-us-stake-could-hurt-international-sales-future-grants-2025-08-25/

https://www.reuters.com/business/aerospace-defense/trump-administration-mulls-taking-stakes-defense-firms-including-lockheed-martin-2025-08-26/

Posted Oct 3, 2025, 5:15 PM UTC

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