Fed warnt NICHT vor KI-Blase, Mary Daly sieht in künstlicher Intelligenz den neuen Wachstumsmotor der US-Wirtschaft

Mary C. Daly ist keine Unbekannte. Sie ist Präsidentin der Federal Reserve Bank of San Francisco – also eines der zwölf regionalen Mitglieder der US-Notenbank und damit eine der Stimmen, die regelmäßig im geldpolitischen Ausschuss (FOMC) sitzt, wenn es um Zinsen, Inflation und die wirtschaftliche Ausrichtung der USA geht. Ihre Worte tragen Gewicht, vor allem, wenn sie sich zu Themen äußert, die derzeit die Welt elektrisieren: künstliche Intelligenz und die mögliche Entstehung einer neuen Blase.

In einem aktuellen Interview mit Axios erklärte Daly, sie sehe keine Anzeichen dafür, dass die KI-Euphorie eine Gefahr für die finanzielle Stabilität der USA darstellt. Und das ist bemerkenswert. Denn während viele Analysten längst von einer „AI-Bubble“ sprechen, zieht Daly eine klare Grenze: Es gebe durchaus überhitzte Bewertungen bei Tech-Aktien, aber das sei noch kein systemisches Risiko. Sprich, selbst wenn einige KI-Unternehmen platzen, reißt das nicht automatisch den gesamten Markt mit.

Stattdessen hebt sie hervor, dass KI ein echter Produktivitätstreiber sein könne. Wenn sie richtig eingesetzt wird, könne sie die US-Wirtschaft effizienter machen und langfristig das Wachstum stützen. Was sie nicht sieht, ist eine Welle an Jobverlusten durch KI. Laut Daly gibt es bisher keine harten Daten, die auf eine massenhafte Verdrängung von Arbeitsplätzen hinweisen. Vielmehr beobachtet sie einen anderen Trend: Unternehmen verzichten angesichts des schwächer werdenden Wirtschaftstempos zunehmend darauf, neue Mitarbeiter einzustellen und ersetzen diese Lücken durch Technologie. KI wird also nicht genutzt, um Menschen zu entlassen, sondern um fehlende Neueinstellungen auszugleichen.

Diese Sichtweise ist interessant, weil sie nüchterner ist als der derzeitige Mainstream. Viele Medien zeichnen das Bild eines „KI-Zeitalters“, das Jobs vernichtet und Märkte verzerrt. Daly hingegen betrachtet das Ganze wie eine Ökonomin: Sie trennt kurzfristige Übertreibung von strukturellem Wandel. Und sie erkennt durchaus, dass KI der Wirtschaft helfen kann, den Produktivitätsrückgang der letzten Jahre auszugleichen, ein Punkt, der in den langfristigen Wachstumsprognosen der Fed seit Jahren Sorgen bereitet.

Trotzdem bleibt eine wichtige Frage: Wann wird aus Euphorie Spekulation – und wann aus Spekulation eine Blase? Daly bleibt diplomatisch: Solange die Finanzierung der großen Tech-Konzerne nicht übermäßig fremdkapitalfinanziert ist und der Bankensektor stabil bleibt, sieht sie kein Risiko wie 2008. Das mag stimmen aber es blendet aus, dass sich ein großer Teil der heutigen Risikokredite längst außerhalb des Bankensystems bewegt: in Private Equity, Venture Debt und Schattenbanken. Dort entstehen die Hebel, die keiner reguliert.

Kurz gesagt: Daly beschwichtigt nicht leichtfertig, aber sie denkt in makroökonomischen Strukturen, nicht in psychologischen Märkten. KI ist für sie ein Werkzeug, kein Tsunami. Ob sie damit recht behält, hängt davon ab, wie verantwortungsvoll Kapitalströme, Regulierung und Technologieentwicklung zusammenspielen.

Eines aber ist klar: Wenn selbst ein Fed-Mitglied offen über den produktiven Nutzen von KI spricht, dann ist das kein Trend mehr, sondern Teil der ökonomischen Realität. Die entscheidende Frage ist jetzt nicht mehr, ob KI unsere Wirtschaft verändert, sondern wie wir sie nutzen, um die Balance zwischen Fortschritt, Arbeit und Stabilität zu halten.

Quelle: Axios – “SF Fed’s Mary Daly says AI bubble wouldn’t hurt financial stability” (07.10.2025)

Posted Oct 7, 2025, 11:56 AM UTC

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