Der Apothekennotdienst ist für Notfälle
Ich bin Apothekerin und wie viele andere geplagte Apotheker verrichte ich hin und wieder einen Notdienst. Und so gerne ich das mache, es gibt einfach Kunden, die bei mir für graue Haare sorgen.
Scheinbar verstehen einige Menschen nicht, was es mit dem Wort NOTDIENST auf sich hat und kommen teils mit einer absoluten Selbstverständlichkeit mit ihrem Scheiß, der sich auch zu regulären Öffnungszeiten regeln lassen würde in die Apotheke.
Hier ein kleines Worst of:
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Rund um Mitternacht an einem Wochentag, ich liege bereits im Bett, erreicht mich ein Anruf. Die Dame hat viele Fragen zum Thema L-Polamidon bei Polyneuropathie. Geduldig beantworte ich ihre Fragen. Als ich nachfrage ob sie denn eine Verordnung vorliegen hat, erzählt sie mir, dass sie sich nur mal informieren wollte und deswegen angerufen hatte (sie hatte also weder Rezept noch Medikament)
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An einem Sonntagmorgen, ich hatte die Tür geschlossen und bediente nur über die Klappe kam eine Dame mit ihrem Partner und kaufte einige Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel für ihre Tochter, die kurz vor einer wichtigen Prüfung stand. Kein Notfall im eigentlichen Sinne, aber etwas wo ich mitfühlen konnte. Nachdem sie bezahlt hatte, verlangte sie nach teurenKosmetikproben. Ich sagte ihr, dass ich im Notdienst keine Kosmetikproben rausgebe und erst recht keine teuren. Da fing sie an wütend gegen die Scheibe zu schlagen.
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Ganz beliebt ist im Notdienst natürlich auch die Apothekenumschau. Vorallem wenn der Notdienst auf den 1. eines Monats fällt.
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Ein Mann kam an einem Montag um 23 Uhr zu mir und verlangte Spritzen. Das kann ja durchaus ein Notfall sien. Also fragte ich nach der Anwendung, damit ich die passenden Kanülen raussuchen konnte. Er wollte sie um Autoteile zu säubern, er schraubt in seiner Freizeit an Autos.
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Absoluter Hass geht raus an alle, die im Notdienst Apotheken anrufen und nach (absurden) Globuli zu verlangen.
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Häufig wird im Notdienst auch angerufen wegen Milchpulver für Babys. Da wir mitgedacht haben bei der Planung haben wir eigentlich immer 1-2 Packungen da. Während viele sehr dankbar dafür sind, gibts doch immer wieder Mütter (es sind immer Mütter), die nicht zufrieden sind mit unserer Markenwahl. Kann dann wohl doch nicht so wichtig gewesen sein oder Klein-Sören muss jetzt hungern.
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Sehr beliebt sind auch Rezepte, die schon mehrere Tage bis Wochen alt sind. Das letzte mal wollte jemand im Notdienst einen Impfstoff, weil er am nächsten morgen seinen Impftermin hatte (der seit Wochen geplant war) und war dann sehr erbost, dass wir den Impfstoff nicht vorrätig hatten ...
"Aber OP bist du nicht sowieso in der Apotheke?"
Ja das bin ich. Aber das heißt nicht, dass mir langweilig ist und auf die Leute warte. Im letzten Sonntagsnotdienst habe ich 10 Kunden, die Stunde gehabt. Wenn man dabei noch neben bei ans Telefon gehen muss, ist gut zu tun. Ich würde den Notdienst lieber dazu nutzen mehr Zeit für die wirklichen Notfälle zu haben, anstatt mit solchen Kunden. Kranke Kinder, Menschen die aus der Notaufnahme kommen, Beratungen zur Pille danach, Menschen helfen deren liebsten im Sterben liegen.
Abgesehen davon, dass ich ja irgendwann auch mal essen und schlafen muss. Gerade bei Diensten unter der Woche wird oft davor und danach regulär in der Apotheke gearbeitet, irgendwann braucht man auch mal die Chance auf eine Pause.
Posted Nov 7, 2025, 7:07 PM UTC