Eigentlich nur für mich

Mentale Gesundheit

Fick dieses neuronale Netz! 🖕🏻

Ahhhh, natürlich weiß ich wie so häufig nicht, wie ich anfange. Nicht nur womit, sondern überhaupt zu starten, etwas aus meinem Hirn zu pressen, ist so ein verdickter Kampf. Ich denke mir: „Schreib es doch einfach mal raus“, dann sitze ich hier und will starten und kann es einfach nicht. Ich meine, wtf, wieso? Da ist ein Haufen Gedanken, und selbst wenn das zu gar nichts führen würde, ist es doch besser, etwas zu tun, als nur blockiert rumzusitzen und über alles Mögliche nachzudenken.

Tja, ganz offensichtlich habe ich jetzt angefangen. Das heißt bei mir aber noch laaaange nicht, dass es auch weitergeht …

4,5 Stunden später, in denen ich eigentlich nichts gemacht habe, als ein bisschen zu kritzeln und darüber nachzudenken, dass ich hiermit anfangen will – später.

Ich schreibe nun also tatsächlich. Worüber schreibe ich?

Alkohol, Medikamentenmissbrauch, Probleme, Schmerz, Tod, sinnlos, Flucht, Wechsel, wofür? Usw. – Schlagwörter, die ich in meine Kritzelei mit einbaute. Vielleicht um nicht zu vergessen, vielleicht um aus dem Wirrwarr da oben in meiner Kommandostelle etwas Klares ableiten zu können.

Ich frage mich, warum ich heute so krass blockiert war. (Heute, haha! Als wäre das was Neues.) Dennoch frage ich mich, ob es heute damit zu tun hat, was diesen Schlagworten für Gedanken, Erfahrungen und Gefühle zugrunde liegen. Selbst beim Schreiben kommt immer wieder dieses Blockierte durch, der Impuls, nicht weiterzuschreiben. Fuck it! Mir geht es auf den Sack, Stunden damit zu verbringen, darüber nachzudenken, etwas zu tun, anstatt es „einfach“ zu machen.

Tod – der wohl krasseste Punkt. Ich hatte echt dunkle Gedanken. Ich habe mich dabei ertappt, wie ich darüber nachdachte, wie man sich umbringen könne. Irgendwas mit Aufschneiden (puh, vielleicht weiß ich jetzt, warum es mir so schwerfällt, hier was zu schreiben; wenn ich darüber nachdenke, das niederzuschreiben, fühlt sich das schon ziemlich krank an), irgendwas mit Aufschneiden käme für mich nicht infrage. So der Gedanke. Des Weiteren malte ich im Kopf ein Bild eines Mannes, der von einer Brücke springt, und eines Mannes, der sich erhängt.

Ein weiteres Bild: Ein Mann, der darüber nachdenkt, wie er googeln könne, welche Methoden es für einen Suizid gibt, ohne bei der Suche im Internet Spuren zu hinterlassen. Dieser Mann dachte daran, wem er einen Abschiedsbrief schreiben würde und wo diese zu platzieren wären, damit sie gefunden werden. Alles kurz aufblitzende Zeichnungen.

Wechsel – bezeichnet in diesem Fall die Wechsel zwischen Gefühlszuständen mit entsprechenden Gedanken und das Unverständnis dafür bzw. die Belastung, die das mit sich bringt.

Von den krassen Gedanken zum Tod und dem damit verbundenen, extrem schweren, tieffinsteren Gefühlszustand zu Gedanken, wie ich jetzt anfangen werde, Sport zu machen, wie ich besser werden kann im Kreieren von Videos und ob was Kreatives nicht was ist, auf das ich beruflich meinen Blick lenken sollte. Daneben denke ich dann aber: Ey, nimm das Studium als Ziel, du willst nicht irgendwann bereuen, es nicht versucht zu haben. Dass ich ja jetzt mit dem guten Ergebnis in der schriftlichen Abschlussprüfung und der in 13 Tagen noch folgenden praktischen Prüfung danach den Berufsabschluss endlich in der Tasche, bewiesen hätte, dass ich nicht doof bin (wollte erst „schlau“ schreiben) und Sachen durchziehen kann – dass das also nicht mehr so unrealistisch wäre. Dann wieder tief. Nicht das krasseste Tief, aber es ist wieder ein Tief. Ein Tief, das sich mittlerweile fast nach Normalniveau anfühlt. So und so ähnlich erlebe ich das ganz häufig.

Medikamente – ich weiß gar nicht, ob Missbrauch hier der passende Begriff ist, aber Überdosierung ist definitiv passend. Das mache ich nämlich seit einiger Zeit mit meinem ADHS-Medikament. Es fing irgendwann in der Lernphase an. Es hat sich gesteigert, so ab Anfang November ca.; seither habe ich fast jeden Tag eine Tablette, also mindestens 30 mg mehr genommen als verordnet. Deswegen sind die Tabletten, die normalerweise noch einen Monat gereicht hätten, auch schon seit ein paar Tagen leer. Anfangs habe ich das, glaube ich, damit gerechtfertigt, mich aufs Lernen für die Prüfung konzentrieren zu müssen. Wirklich probiert, das auch zu schaffen, ohne mehr zu nehmen, ist nicht passiert. Jetzt habe ich die Prüfung schon bald einen Monat hinter mir. Aufgehört habe ich aber nicht. Es hat vor Kurzem sogar einen Tag gegeben, da habe ich mindestens 4 Elvanse genommen. Was meine Rechtfertigung nach der Prüfung dafür war, kann ich gar nicht genau sagen. Teilweise habe ich mich in irgendwelche kreativen Prozesse geflüchtet und meinte wohl, dafür so konzentriert sein zu müssen, dass es das rechtfertigt. Viel eher glaube ich aber, dass ich irgendwann gar nicht mehr so richtig darüber nachgedacht habe und nur noch dem Impuls gefolgt bin.

Nachdem die Tabletten leer waren, dachte ich: Okay, du hast ja gerade auch keine Verpflichtung, dann nimmst du mal eine Zeit keine ADHS-Medis. Tja, in der Realität sah das aber so aus, dass ich mich erinnerte, noch seit Jahren in der Kiste liegende andere ADHS-Medis zu haben. Das war gestern, wo ich 4x 20 mg nahm. Heute waren es 5.

Ich glaube, das Ganze ist weniger darin begründet, konzentriert sein zu wollen, sondern vielmehr zu flüchten oder ein Versuch der Regulation. Vielleicht aus Angst vor dem Schmerz, den ich erwarte, wenn keine Medikamente mich innerlich kalt machen.

Was mich zum nächsten Punkt bringt.

(Kurzer Einschub: Ich schreibe diese Zeilen, die echt ernst sind. Ich weiß, dass ich Probleme habe. Dass ich mich beim Schreiben hier immer wieder frage, warum ich diese Zeilen eigentlich verfasse, ist das eine; das andere ist, dass mich das ziemlich kaltlässt. Kognitiv ist mir die Lage (denke ich) bewusst, aber emotional macht es nichts, oder zumindest nicht das, was es sollte.)

Statt weiterzuschreiben, kommt in mir wirklich der Impuls auf, noch eine Tablette zu nehmen. Ich weiß nicht warum, was mir das bringen soll, außer vielleicht noch eine Stunde konzentriert zu sein und nicht schlafen zu können. Dennoch ist dieser Gedanke da – what the fuck!

Der nächste Punkt: Alkohol. Ist wohl zum Problem geworden.

Wofür? – Das ist eine der Fragen, die mich am meisten beschäftigen in letzter Zeit. Ich glaube, ein Auslöser für diese krasse Krise gerade ist meine schriftliche Abschlussprüfung. Die Abschlussprüfung, die ich als Klassenbester abgeschlossen habe. Kurios, nicht? Es ist so: Nachdem ich gerade so meine Zwischenprüfung bestanden habe, habe ich mir den Arsch aufgerissen für die Abschlussprüfung. Habe so konsequent und viel gelernt wie nie zuvor. Dann – ich schreibe die Prüfung. Direkt falle ich in ein krasses mentales Loch. Ein paar Tage später bekomme ich das Ergebnis: Klassenbester. Ich kann es nicht fassen, ich freue mich, bin stolz. Das hält so etwa 3 Tage, dann wieder der Fall. Da habe ich mich natürlich gefragt, wie das sein kann, dass selbst so ein Erfolgserlebnis keinen bleibenden Eindruck macht. Wofür also sich zusammenreißen, um Dinge zu schaffen, um Ordnung ins Chaos zu bringen, wenn das emotional nichts mit mir macht?

Ich habe mir in letzter Zeit öfter mal die Frage gestellt: Was jetzt und wofür? – Ich habe da keine Antwort drauf. Denn wenn ich das in meinem Kopf durchspiele, springt da nirgends ein Funken über. Ein Studium, Job mit viel Geld, Feuerwehrmann oder was auch immer – nichts, aber wirklich nichts löst aus, dass ich denke: „Ja, dafür lohnt es sich zu leben.“ Es gibt eine Sache, die mir dieses Gefühl gab in letzter Zeit: Carla und Nala. Ansonsten weiß ich wirklich nicht, wofür ich lebe; ich für mich scheine jedenfalls nicht als Motiv zu reichen.

Ich habe gerade weder Hoffnung, Zuversicht noch Kraft, den Stein ins Rollen zu bringen. Wie oft, wirklich wie oft habe ich mich selbst aus der Scheiße gezogen. Irgendwann gab es im noch so düstersten Tal einen Lichtblick, den ich nutzte. Es schien dann auch so, als wäre es besser, als könnte sich was verändern – nur um dann doch wieder in den Abgrund zu stürzen.

Ich weiß einfach wirklich nicht, wofür ich diese Kraft wieder aufbringen soll. Die Enttäuschung wird von Mal zu Mal zerreißender.

(Einschub: Ich bin auch einfach richtig dumm. Was sonst außer Dummheit soll dazu führen, dass ich immer wieder die gleichen scheiß Dinge mache, von denen ich doch aus Erfahrung wissen müsste, dass sie nicht gut für mich sind? Ich dachte mir nämlich gerade, dass ich mit Sicherheit nicht pennen kann die nächsten Stunden, obwohl ich doch einfach nur will, dass die Tage vorbeigehen. Ich dachte gerade, dass ich mich versuche runterzukiffen. Da habe ich aber Respekt vor. Ich meine, alleine die ADHS-Medis, das Antidepressivum mit Bier und Rum zu mischen, ist schon eine schlechte Idee. Vielleicht sollte ich einfach mal um jetzt 21:52 Uhr versuchen, das Erste zu essen.)

Ich glaube, das war’s hier für heute.

Nächster Tag, 30.12.25, 14:25 Uhr

Ich schütte mir auch Unmengen von Koffein rein, in Form von Kaffee und Energy-Drinks.

15:02 Uhr

Gerade mit Carla telefoniert. Ich hatte sie angerufen, nachdem sie sich seit gestern Morgen nicht mehr gemeldet hat. Ich fragte sie, ob sie die Nachricht gelesen hat. In der ging es darum, dass ich ihr den Hintergrund des Videos erklären wollte und ihr sagte, dass ich einfach gerne einen normalen Umgang mit ihr hätte und dementsprechend gerne, wie verabredet, Silvester zusammen verbringen würde.

Also sie sagte ab, was zu erwarten war, denn nachdem ich ihr das Video schickte, war das ihre Antwort: „Du weißt, dass es nicht mehr der Realität entspricht. Ich denke auch, dass wir uns Silvester nicht sehen sollten.“ Außerdem hat sie ganz deutlich gesagt, dass sie keinen engen Kontakt will. Ich sagte am Ende sowas wie: „Melde du dich doch einfach bei mir, wenn du mal Bock zu quatschen hast.“

Ich meine, in dem Gespräch was wahrgenommen zu haben. Vielleicht Überforderung, vielleicht aber auch Genervtheit. Kein Plan, aber ich frag mich, warum sie so agiert, wie sie es tut. Könnte es sein, dass ihr Verhalten ein Schutzmechanismus ist? Vielleicht hat sie Angst vor der Nähe, weil sie weiß, da sind noch Gefühle, die wieder aufkeimen können, was sie nicht will. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie noch Gefühle hat. Jedes Mal, wenn wir uns nach unserer Trennung sahen, wir uns umarmten, auch noch zuletzt, spürte man da etwas.

Das waren keine normalen Umarmungen. Das war ein bestimmtes Gefühl, ein Austausch von Vermissen, von Wohlfühlen, von Sich-nahe-Sein. Ich hatte dieses schwer zu beschreibende Gefühl, und ich habe einfach gefühlt, dass es ihr genauso geht. Oder wo sie mich plötzlich mitten in der Nacht anrief, weil sie schlecht geträumt hat.

Aber das ist im Grunde auch alles völlig irrelevant. Denn Gefühle mögen das eine sein, aber die negativen Erfahrungen, die sie mit mir gemacht hat, das andere. Sie hat viel gelitten wegen mir, und davor, das nochmal zu erleben, will sie sich nun vermutlich schützen.

Das ist eine Theorie aus meinem Kopf; vielleicht spinne ich das ja auch vollkommen zusammen – auch wenn ich manchmal ein gutes Gespür für sowas habe. Auch das ist am Ende aber völlig irrelevant. Relevanz hat doch hier, dass ich versucht habe, wieder regelmäßigeren Kontakt aufzubauen. Das hat sie nicht zugelassen und auch in aller Deutlichkeit gesagt, dass sie das nicht will. Ich wollte, dass sie und ich wieder zu einem „Wir“ werden. Ich habe es versucht, aber nach den deutlichen Worten muss ich respektieren, dass sie nicht nur das „Wir“ nicht mehr möchte, sondern auch, dass sie kein platonisches „Wir“ möchte.

Das tut ziemlich weh. Selbst durch meine leere emotionale Rüstung sticht das merklich ein.

So scheiße sich das anfühlt, ist das hoffentlich ein Impuls, der mir hilft, endlich nach fast einem Jahr nach der Trennung mit ihr und unseren gemeinsamen 69.720 Stunden abzuschließen.

Vermutlich werde ich jetzt also alleine ins neue Jahr starten. Meine Schwester hat mich zwar zu sich und ihrem Partner eingeladen, aber ich will lieber alleine sein.

Jetzt denke ich seit ein paar Minuten daran, den ganzen Scheiß hier auf Reddit zu posten. Ganz oft, und so auch hier, geht so eine Metaebene in meinem Hirn auf, wo ich dann über die Gedanken nachdenke, sie hinterfrage und bewerte. Ich frag mich also, warum ich das posten sollte. Was erhoffe ich mir davon? Vielleicht einen kleinen Impuls, der meinem Hirn eine Richtung vorgibt.

Vermutlich wird der Rest des Tages eher so aussehen, dass ich wie halb eingefroren rumsitze oder in irgendwas flüchte.

Posted Dec 30, 2025, 8:58 PM UTC

36
Loading comments…