"Strafarbeit"
Moin zusammen!
In meinem Betrieb geht’s aktuell ein bisschen komisch zur Sache. Erst hatte ich ein bisschen Probleme mit meinem „Schichtleiter“, aber das hat sich beruhigt und ich konnte mir zum Glück das meiste selbst beibringen.
Nun ist mir aber ein Arbeitsfehler passiert, der jedoch leicht korrigierbar ist.
Ich schildere es mal so: Ich stelle aus Werkstück XYZ Produkt K her. Diese Einzelteile sind lose voneinander, aber immer wieder ohne Probleme austauschbar – ohne großen Aufwand, nur halt etwas zeitfressender per Hand.
Nun ist es dazu gekommen, dass der Kunde Werkteil XYZ gegen ein beinahe identisches Werkstück austauschen lassen möchte. Das müssen wir selbst erledigen, sprich XYZ durch X1Y1Z1 austauschen.
Die Teile standen im selben Lagerbereich, nur auf unterschiedlichen Paletten.
Damit wir wissen, was wann getauscht werden muss, wurde uns ein Zettel gegeben.
Am Aufbau beteiligt waren mein Schichtleiter, eine Hilfskraft und ich.
Mein Schichtleiter hat mir Werkstück XY gebracht und ich habe mir Z selbst besorgt.
Nun ist es mir aber passiert, dass genau das der Kram war, der getauscht werden musste. Da der Aufbau eher auf Schnelligkeit getrimmt war, habe ich vergessen zu kontrollieren, ob es die Teile waren, die der Kunde mit der Minimalerkennung (das Werkteil sieht nahezu identisch aus wie bei der ersten Lieferung) abgleichen wollte, und ich habe davon einen mittleren Wert produziert.
Auf dem Heimweg ist mir das eingefallen und ich bat die Spätschicht, bitte noch einmal nachzugucken – und siehe da: Ja, ich habe einen Fehler gemacht.
Ich rief daraufhin meinen Abteilungsleiter (nicht den Schichtleiter) an und berichtete ihm davon. Tja, mein Abteilungsleiter hatte einen Wutanfall am Telefon und schrie mich sieben Minuten lang an. Das war mein erster Fehler und wie gesagt: Es ging keine Ware raus und man kann es korrigieren. Außerdem stimmte anderweitig immer meine Stückzahl – meist parallel zu anderen Arbeitern oder leicht darüber – ohne Fehler. Ich bin fünf Monate im Betrieb und andere haben gröbere Fehler gemacht und wurden nicht angeschrien; alles wurde mit dem ganzen Team rasch behoben.
Am nächsten Tag bat mich mein Abteilungsleiter ins Büro, meinte, er hätte sich beruhigt, und fragte, wie ich diesen Fehler beheben will. Ich sagte ihm natürlich, dass man das korrigieren kann und ich selbstverständlich dazu beitragen möchte.
Er sagte okay, aber ich darf diesen Fehler nur außerhalb der regulären Arbeitszeit beseitigen, sprich: Überstunden gehen aufs Zeitkonto. Während meiner regulären Arbeitszeit nicht. Es kam mir komisch vor, weil wir genügend Leute sind und es kein Problem wäre, wenn ich mich zwei bis drei Tage darum kümmere – aber nein, nur außerhalb der Arbeitszeit.
Nun blieb ich jeden Tag eine Stunde länger und an einem Samstag, an dem gearbeitet wurde, durfte ich fünf Stunden ran.
Der Schaden liegt bei ca. 2000 Stück und ich konnte bisher 600 Stück beheben – pro Stunde etwa 60–80 Stück.
Aber mittlerweile fühlt es sich wie Strafarbeit an. Während die Frühschicht nach Hause geht, sitze ich noch eine Stunde länger. Samstage finden aktuell auch nicht mehr statt und allein darf ich nicht in der Halle sein. Andere Mitarbeiter dürfen da nicht ran, obwohl das Austauschen keinerlei besondere Kompetenz erfordert. Sonst wurde so etwas bei anderen immer rasch im Team behoben. Und ich frage mich langsam, was das soll. Der Auslieferungstermin rückt näher, aber jeder, der freiwillig fragt, darf nicht helfen. Aktuell ist bei uns weniger los und Mitarbeiter stehen teilweise herum, fegen die Halle oder unterhalten sich oder werden für andere geringfügige Arbeiten ohne Eile eingesetzt.
Ich will auch noch anmerken: Ich möchte meinem Schichtleiter nicht die Schuld geben, auch wenn er mir die falschen Teile gebracht hatte und es eigentlich hätte wissen müssen.
Oh Mann, es fühlt sich echt wie eine Strafarbeit an und fast schon wie ein Pochen auf den Auslieferungstermin – mit dem Wissen, dass es bis dahin vielleicht nicht fertig sein könnte.
Posted Feb 19, 2026, 3:07 PM UTC