Therapie, Psychiater, Psychologe - kann mir mal bitte jemand den Weg weisen?

Hallo zusammen,

ich war vor ein paar Monaten das erste mal in einem Leben bei einer Therapeutin. Grund war, dass ich private Probleme hatte (Liebeskummer) und die irgendwie nicht verpackt bekommen habe. Ich war komplett neben der Rolle, hatte Schlafprobleme und regelmäßige Weinkrämpfe. Meine Hausärztin hat mir etwas zur Beruhigung verschrieben und das hat mich einigermaßen stabilisiert, so dass ich wieder ein paar klare Gedanken fassen konnte. Gleichzeitig habe ich so einen Dringlichkeitscode bekommen und habe ein Gespräch bei einer Therapeutin wahrgenommen, die aber direkt meinte, dass sie mich nicht aufnehmen kann. Sie schrieb eine Überweisung und meinte, ich solle eine Diagnostik in Richtung Angst / Hypersensibilität mit möglicher ADHS-Komponente durchführen lassen. Da sich meine Situation im Anschluss stabilisierte und auch der Liebeskummer verflog, habe ich das Thema zunächst nicht weiterverfolgt.

In meinem Bekanntenkreis gab es neulich eine ADHS-Diagnose und wir haben ein wenig darüber gesprochen. Ich habe dann ein paar Tests auf ADXS.org gemacht und im groben hatte die Therapeutin schon den richtigen Riecher, würde ich sagen:

  • Symptomtest V5 27 von 43 möglichen Symptomen erfüllt (≈ 63 %)
  • 96 von 169 Fragen ADHS-typisch beantwortet (≈ 57 %)
  • Unaufmerksamkeit: 3 von 9
  • Hyperaktivität/Impulsivität: 7 von 10
  • Angststörung : 60,0%
  • 24 von 30 Fragen so beantwortet, wie für Hochsensibilität typisch ist.

Ich bin daraufhin nochmal mein Leben durchgegangen, Ich war schon immer tendenziell schnell reizüberflutet - Lärm, grelles Licht und so Stimmengewaber von Menschenmengen sind die Hölle und ich habe das Gefühl, tausend Gedanken auf einmal im Kopf zu haben. In der Kindheit gab es Auffälligkeiten. In meinen Grundschulzeugnissen stehen Formulierungen wie "ließ sich leicht durch Nebensächlichkeiten ablenken", "verfügte nicht über ausdauerndes Denkvermögen" oder "wirkte unkonzentriert und machte Flüchtigkeitsfehler". Ein klassischer Unterrichtsstörer war ich nie, aber ich hatte immer eine enorme innere Anspannung, die teilweise durch Ticks wie zwanghaftes Blinzeln kompensiert wurden. Ich erinnere mich noch, dass ich mal beim Arzt saß und so eine Elektrodennetz auf dem Kopf hatte und ich irgendwann zum autogenen Training geschickt wurde. Meine Eltern kann ich leider dazu nicht mehr fragen, aber eine eindeutige Diagnose wurde wohl nie gestellt.

Nunja, diese Symptome verflogen mit der Zeit, wobei ich eher gelernt habe, mich zu kontrollieren, anstatt dass die innere Anspannung wirklich verflogen wäre. Die meisten Leute würden mich eher als sehr ruhig bezeichnen, aber manchmal kommt es auch zu Impulsdurchbrüchen, wenn ich den inneren Druck nicht mehr aushalte.

Ich habe mein Studium abgeschlossen und landete irgendwann bei meinem ersten Job in einem Ingenieurbüro. Lange Arbeitswochen, Dauerstress. Nach knapp 3 Jahren wurde mir bei der Arbeit schwarz vor Augen und der Arzt diagnostizierte einen Hörsturz, wobei ich auf diese Diagnose nie viel gegeben habe. Seit dieser Zeit habe ich einen dauerhaften Tinnitus und endgültig das Gefühl von "alle Filter weg". Manchmal habe ich ein Gefühl wie Watte im Kopf oder Schwindel. Ich habe deswegen immer mal wieder Ärzte genervt, aber es kam nie was dabei rum. Ich wechselte in einen ruhigeren Job im öffentlichen Dienst und habe mir seitdem mein Leben so eingerichtet, dass es möglichst reizarm und unstressig ist und habe irgendwie so vor mich hingelebt mit wenig sozialen Kontakten, da diese mich schnell stressen.

Ich will das Thema nun endgültig angehen, auch um die Beziehung nicht zu gefährden, die ich seit kurzem habe. Aber ich bin etwas gefrustet, weil ich nicht so recht weiß, an wen ich mich wenden soll?! Ich habe hier in meiner Gegend schon alle Therapeuten und Psychiater abtelefoniert, aber niemand nimmt irgendwelche Neupatienten auf. Ich hätte eigentlich am liebsten einen Psychiater, der eine klare Diagnose stellen und im Zweifel auch Rezepte ausstellen darf, denn ich denke dass mein Nervensystem irgendwie "heruntergefahren" werden muss und das die Basis für alles Weitere sein kann. Meine Hausärztin meinte, dass sie mir bei entsprechendem Arztbrief mit klarer Diagnose entsprechende Medikamente ausstellen könnte, falls das notwendig sein sollte. Parallel will ich mich um einen Therapieplatz bemühen, aber da muss ich mich wohl auf längere Wartezeiten einstellen.

Ich denke darüber nach, das Thema mit der psychiatrischen Diagnose per Videocall als Selbstzahler durchzuführen. Am Geld hakt es nicht und wenn es zielführend ist, gebe ich gern ein paar hundert Euro aus. Aber um was konkret soll ich mich bemühen? ADHS-Diagnostik, oder generell eine psychiatrische Diagnostik? Oder reicht auch eine Diagnostik bei einem Psychologen oder Therapeuten? Dann wird das ggf. mit Rezepten vermutlich wieder schwierig, oder?

Sorry für den vielen Text. Bin für jede Antwort dankbar, die mir etwas den Weg weisen kann.

Posted Feb 26, 2026, 2:03 PM UTC

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