Mein kleiner Bruder akzeptiert mich nicht, wie gehe ich damit um?
Ich muss mir mal etwas von der Seele schreiben und mir etwas Rat aus der Community besorgen.
Ich bin 30, FtM und seit ca. 2 Jahren geoutet. Dazu muss ich noch erwähnen das ich aus einer zerrütteten Familie komme, Scheidungskind bin und das Wort "Familie" für mich daher immer schon eine andere Bedeutung hatte als wohl für die meisten Menschen. Ursprünglich komme ich aus Süddeutschland und vor 6 Jahren bin ich nach NRW gezogen um näher an meinen queeren Freunden zu sein die mich so mögen und akzeptieren wie ich bin. Die Realisation das ich trans bin kam dann allerdings erst durch die Pandemie-Zeit und mein outing fand an Weihnachten vor 2 Jahren statt. Damals nur bei meinem leiblichen Vater und seiner Ehefrau. Den Kontakt zu meiner Mutter habe ich schon aus anderen Gründen vor Jahren abgebrochen, daher besteht meine Familie aktuell nur aus meinem leiblichen Vater, seiner Ehefrau und meinem leiblichen sowie meinem Stiefbruder. Meine leibliche Mutter weiß nichts von meinem outing, bei ihr bin ich mir aber auch sicher das sie es nicht akzeptieren würde. Zu meinem Vater hatte ich bisher immer ein gutes Verhältnis und im Grunde hat er mich auch aus den schrecklichen Verhältnissen bei meiner Mutter rausgeholt, so ca. mit 17 Jahren.
Das Outing hat mich sehr viel Überwindung gekostet weil meine Familie auch einen Migrationshintergrund besitzt und ich über die konservativen Zustände aus meinem Herkunftsland weiß. Umso erleichterter war ich dann als das outing erst mal gut verlief und mir mein Vater und meine Stiefmutter versicherten das Sie mich auf meinem Weg unterstützen möchten. Mein großer Bruder hat es ebenfalls unerwartet gut aufgenommen und bemüht sich seitdem sehr meine neuen Pronomen und meinen neuen Namen zu verwenden, genau so wie bei meiner Stiefmutter bei der es ebenfalls gut klappt und ich mich akzeptiert fühle. Meinem Vater fiel das bisweilen noch schwer aber auch wenn es mich jedes mal gekränkt hat, habe ich einfach versucht verständnisvoll zu sein und ihm die Zeit zu geben die er braucht.
Der Umstand das ich mittlerweile nicht mehr in der nähe meiner Familie wohne sorgte natürlich die letzten Jahre dafür das wir uns nur etwa 2x im Jahr gesehen haben z.b. zu Weihnachten oder an Geburtstagen. Aus diesem Grund war es auch mein Vater der meinem kleinen Stiefbruder von meinem outing erzählt hat und er ist auch derjenige der mir jetzt erzählt das mein kleiner Bruder sich einfach weigert mich zu akzeptieren und deshalb nie meinen neuen Namen oder meine neuen Pronomen nutzen wird. Ich habe leider kein enges Verhältnis zu meinem kleinen Bruder und weiß daher auch nicht welche Freunde er hat oder wer Ihm diese Gedanken eingepflanzt hat.
Ich bin zwar aktuell auch in Therapie und ich werde das alles mit meiner Therapeutin besprechen aber ich sag's wie's ist: Ich habe tierische angst das meine Familie schon wieder zerbricht und es fällt mir gerade sehr schwer deswegen keine Schuldgefühle zu haben. Ich wünsche mir doch nur von dem kleinen Rest der von meiner Familie noch übrig ist akzeptiert zu werden wie ich bin und ich weiß das ich da nicht zu viel verlange. Dennoch nagt es tierisch an mir weil mir das Gefühl gegeben wird das ich mit meiner "Entscheidung" meine eigene Identität nicht mehr zu verleugnen einen Fehler begangen habe weil jetzt meine Familie nur noch stärker auseinander driftet. Mein Vater und meine Stiefmutter haben mich sogar während der Mastek in den OP begleitet und waren in dieser Zeit für mich da und jetzt sagt mein Vater Dinge zu mir wie das er es doch vermisst eine Tochter zu haben obwohl er sowas bei meinem Outing vor 2 Jahren nicht gesagt hat. Er sagt auch Dinge wie das ich meinen kleinen Bruder akzeptieren müsse, auch wenn er meinen "Lebensstil" nicht akzeptiert. Nun mache ich mir sorgen ob ich meine Familie überhaupt noch besuchen kann bei diesen Zuständen oder ob das am Ende nicht doch alles in einem massiven Streit endet. Ich bin durch meine schwierige Kindheitsgeschichte sehr harmoniebedürftig und darum wäre das so ziemlich das schlimmste was ich mir in dieser Situation vorstellen könnte. Durch die räumliche Entfernung ist es z.b. nicht so einfach mal mit meinem Vater gemeinsam eine Therapiestunde bei meiner Therapeutin wahr zu nehmen wobei auch nicht ganz unmöglich da sie diese auch via remote anbietet. Sie kennt sich zu dem Thema trans einfach sehr gut aus und ich kann mir vorstellen das sie meinem Vater besser vermitteln könnte was in mir vorgeht und was ich mir von ihm wünsche.
Danke erst mal fürs lesen und ich entschuldige mich dafür falls das alles etwas wirr geschrieben ist, das Thema raubt mir gerade den schlaf und ich weiß einfach nicht wie ich damit am besten umgehen soll.
War hier vielleicht schon mal jemand in einer ähnlichen Situation und kann mir sagen wie ihr damit umgegangen seid oder was euch geholfen hat? Bin einfach für jeden Austausch dankbar gerade und würde mich über ein paar aufbauende Worte freuen :(
Posted Mar 1, 2026, 1:38 AM UTC