Arbeiten in der Steuerkanzlei: Bin ich zu empfindlich oder läuft hier was schief?
Ich brauche mal euren Rat bzw. eure Erfahrungen.
Ich bin aktuell im Masterstudium Steuerlehre und mir fehlt nur noch die Masterarbeit. Parallel mache ich eine Weiterbildung über die Steuerberaterkammer – im Prinzip die Ausbildung zur Steuerfachangestellten in einem Jahr.
Ich arbeite seit etwa 7 Monaten in einer Kanzlei und habe damit meine gesamte Praxiserfahrung in dem Bereich dort gesammelt. Inzwischen bearbeite ich schon Löhne, betreue rund 16 Finanzbuchhaltungen und erstelle Einkommensteuer- sowie Erbschaftsteuererklärungen.
Meine Chefs sind wirklich top: super nett, sehr unterstützend, erklären mir alles und helfen immer, wenn ich nicht weiterkomme. Vieles versuche ich mir auch selbst zu erarbeiten – über Gesetze und das Wissen aus dem Master.
Mein Problem sind die Kollegen.
Ich habe das Gefühl, dass viele einfach extrem biestig sind – auch untereinander. Klar, ein paar Nette gibt es immer, aber der Großteil wirkt irgendwie unmenschlich. Die Erwartungshaltung ist riesig: Erklären wollen sie kaum etwas, aber die Arbeit soll auf Steuerberater-Niveau erledigt werden.
Das frustriert mich total, weil gerade in unserer Branche gute praktische Erklärungen so wichtig sind.
Beispiel:
Ein Kollege kommt zu mir und verlangt einen Jahresabschluss – obwohl ich noch nie einen gemacht habe. Er erklärt mir das Ganze in einer Minute und erwartet dann ein perfektes Ergebnis. Kommentar dazu:
„Ich hasse es, mich ständig zu wiederholen.“
Sorry, aber wie soll das funktionieren?!
Es gibt noch einige solcher Situationen.
Noch ein Beispiel:
Ich habe ein neues Mandat bekommen und es so bearbeitet, wie mein Chef es mir aufgetragen hat. Danach ruft mich eine Kollegin an und beschwert sich, warum ich nicht Bescheid gesagt habe, dass ich das Mandat übernehme – sie dachte, eine andere Azubine macht das. Und der Ton war alles andere als freundlich.
Aber ehrlich: Ist das wirklich meine Aufgabe?
Zur Einordnung:
Ich werde bis Ende des Jahres wie eine Azubine bezahlt. Meine Bürozeiten sind Mo–Mi. Donnerstag und Freitag bin ich vormittags in der Schule und gehe danach trotzdem oft noch in die Kanzlei, um alle Fristen einzuhalten. Bezahlt werde ich allerdings Vollzeit.
Jetzt frage ich mich:
Mache ich etwas falsch?
Habt ihr ähnliche Erfahrungen in Kanzleien gemacht?
Oder sehe ich das Ganze einfach zu kritisch?
Ich bin für jede Einschätzung dankbar.
Posted Mar 6, 2026, 10:01 PM UTC