Wenn KI den ersten Job übernimmt: Warum Absolventen plötzlich ein Problem bekommen könnten

Noch vor wenigen Jahren wurde über die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf den Arbeitsmarkt fast ausschließlich theoretisch diskutiert. Viele hielten die Warnungen für übertrieben oder weit entfernt von der Realität. Inzwischen tauchen jedoch immer mehr belastbare Zahlen auf und die zeichnen ein deutlich klareres Bild. Vor allem eine Gruppe könnte in den kommenden Jahren stärker unter Druck geraten als viele erwartet hätten: junge Akademiker am Beginn ihrer Karriere.

Der CEO des Softwareunternehmens ServiceNow, Bill McDermott, hat kürzlich eine Prognose formuliert, die selbst für die technologieerfahrene Branche bemerkenswert ist. Seiner Einschätzung nach könnte die Arbeitslosenquote unter frisch ausgebildeten Hochschulabsolventen in den kommenden Jahren auf über dreißig Prozent steigen. Zum Vergleich: Ende 2025 lag sie in den USA noch bei knapp sechs Prozent. Der Grund für diese drastische Einschätzung liegt in einer Entwicklung, die gerade erst beginnt, ihre volle Wirkung zu entfalten. Gemeint sind sogenannte KI Agenten.

Während klassische KI bislang eher als Werkzeug funktioniert hat, entwickeln Unternehmen nun Systeme, die ganze Arbeitsprozesse eigenständig erledigen können. Diese digitalen Agenten schreiben Texte, analysieren Daten, koordinieren Projekte oder beantworten Kundenanfragen. Aufgaben also, die in vielen Unternehmen traditionell von Berufseinsteigern übernommen wurden. Genau dort liegt das Problem. Wenn diese Einstiegsarbeiten verschwinden, fehlt jungen Menschen der klassische Weg, sich in einem Unternehmen nach oben zu arbeiten.

Auch bei großen Techkonzernen ist diese Entwicklung längst angekommen. Amazon hat in den vergangenen Monaten rund 30.000 Stellen im Corporate Bereich gestrichen. Offiziell wurde der Schritt zunächst mit organisatorischen Veränderungen und dem Abbau von Bürokratie begründet. Gleichzeitig hat Amazon CEO Andy Jassy jedoch selbst erklärt, dass der Einsatz generativer KI in Zukunft dazu führen wird, dass Unternehmen insgesamt weniger Personal für viele bestehende Aufgaben benötigen. Effizienzgewinne durch KI werden also direkt in geringeren Personalbedarf übersetzt.

Interessant ist dabei eine Beobachtung, die in immer mehr Studien auftaucht. Besonders betroffen sind nicht die klassischen handwerklichen Berufe, sondern Tätigkeiten im Bürobereich. Menschen, die jahrelang studieren und später in Analyse, Verwaltung, Marketing oder Projektmanagement einsteigen wollen, müssen plötzlich feststellen, dass viele dieser Aufgaben von Software übernommen werden können. Der gesellschaftliche Blick auf Bildung und Karriere könnte sich dadurch deutlich verschieben.

Für junge Menschen bedeutet das vor allem eines. Die Wahl des Studienfachs wird wichtiger als je zuvor. Wer sich auf Tätigkeiten vorbereitet, die stark aus Routinewissen bestehen, könnte es künftig deutlich schwerer haben. Gleichzeitig entstehen neue Felder rund um Technologie, Datenanalyse und KI selbst. Die Frage ist nur, ob diese neuen Jobs schnell genug entstehen, um die wegfallenden Einstiegspositionen auszugleichen.

Genau darüber sprechen wir übrigens auch in unserer neuen Podcastserie, die wir am Montag veröffentlichen werden. Denn die zentrale Frage lautet nicht mehr ob KI den Arbeitsmarkt verändert, sondern wie schnell. Wer diese Entwicklung versteht, kann sich darauf vorbereiten. Wer sie ignoriert, könnte plötzlich feststellen, dass der erste Job gar nicht mehr existiert.

Quellen: CNBC Interview und Berichterstattung zu Aussagen von ServiceNow-CEO Bill McDermott, Amazon internes Memo von CEO Andy Jassy, World Economic Forum „Future of Jobs Report“

Posted Mar 14, 2026, 6:25 AM UTC

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