Jahrelanger Azubi-Crush in der Uni/Arbeit, beide schüchtern

Hi zusammen, M22 hier, dualstudierend im zweiten Jahr und zurzeit am Ende meines 3-monatigen 2. Praxissemesters (genannt "P2").

Als introvertierte und selektive Person habe ich nicht viele Kontakte oder Freunde, vor allem seit Beginn des Studiums im September 2024. Am Anfang des Studiums hatten wir unsere Einführungswoche (EWO), wo ich am ersten Tag M (F20) kennengelernt habe. Wir waren zufällig zu zweit alleine im gleichen Fahrstuhl, ich war aufgrund meiner sozialen Angst generell schon sehr nervös. Um die Situation zu lockern, habe ich etwas mit ihr gesprochen und mich da in sie verliebt. Sie war die erste Studierende, die ich kennengelernt habe.

Während der EWO waren wir immer in den selben "Kennlerngruppen", haben aber nie wirklich viel gesprochen, weil sie auch ruhig und zurückhaltend ist. Am letzten Tag der EWO habe ich mit ihr und zwei anderen Studierenden den Nachmittag auf einer Studierendenversammlung verbracht, wo ich ihr gegenüber angstbedingt aber kein Wort sagen konnte.

Während der EWO kam heraus, dass sie und ich nicht in den selben Kurs kommen. Bei uns in der Uni haben wir keine klassischen Hörsäle, sondern Kurse aus ca. 30 Studierenden die bei allen Vorlesungen gleich bleiben, quasi wie eine normale Schulklasse. M kam in Kurs 24/01, ich in 24/02. Mit dem Ende der EWO war unser Kontakt auch so gut wie null. Am Anfang des Semesters hat man sich auf dem Gang noch hallo gesagt, irgendwann war man aber wie Fremde. Das hat sich so bis Oktober 2025 hingezogen.

Nach dem ersten Praxissemester (P1) begann das dritte Unisemester (S3) im September 2025, wo unser Kurs eine Fahrt nach Berlin gemacht hat. Meine Jungsgruppe (zu der ich nur semi dazugehöre) hatte sich in der Zeit sehr mit Frauen abgelenkt, und damit hatten sie mich infiziert. Sie haben mir empfohlen, mit Dating-Apps anzufangen, was ich zuvor immer verabscheut habe. Aber Anfang Oktober hab ich's versucht und auch direkt jemand in meinem Alter kennengelernt. Für ein Monat war ich in einer "Beziehung" aber Ende Oktober wurde klar, dass ich es mir bei einer Beziehung ganz anders vorstelle (Sie hatte was mit anderen Jungs), weshalb ich unmittelbar nach Trennung auch mit Dating Apps aufgehört habe.

Das Nutzen von Dating Apps hat mir den Mut gegeben, mehr auf Frauen zuzugehen, ohne direkt ein Herzinfakt zu bekommen. Allerdings hat mich das etwas zu übermotiviert, denn mein Gefühl aus Unwohl zu meinem Uni-Kurs (weil ich keine richtigen Freunde habe) und das lange Verliebtsein gegenüber M hat mich dazu bewegt, sie nach einem Jahr aus dem Nichts auf WhatsApp anzuschreiben.

Ich habe M geschrieben, dass ich es damals schade fand, dass wir nicht in den selben Kurs gekommen sind. Ich habe ihr nicht ausdrücklich gesagt, dass ich in sie verliebt bin, aber ich habe sie gefragt, ob sie mit mir mal was unternehmen will oder lernen. Ihre Antwort war in etwa "Ja, das Jahr ist echt schnell vergangen. Ich muss dir leider sagen, dass ich gerade jemanden habe", womit für mich die Sache erledigt war. Von Oktober 2025 bis Januar 2026 war meine Hoffnung also (berechtigterweise) weg, schließlich wollte ich eine solche Grenze nicht überschreiten, wenn sie ein Freund hat.

Doch dann begann jetzt im Januar das P2. In meinem Amt (Ich bin im öD) sind in meinem Jahrgang drei weitere Azubis gekommen, darunter zufälligerweise auch M. (In unserem Jahrgang sind 120 Studierende oder so, es war also ein extrem krasser Zufall) Das hat mich SO SCHOCKIERT, weil sie mich wenige Monate zuvor erst abgelehnt hatte. Für mein P2-Abschnitt (Ich hatte das Aufgabengebiet Personal & Orga) hatte ich mir festgelegt, meine soziale Angst zu bewältigen und mitmenschlich souveräner zu sein. Dass mein Crush aber im selben Amt ist, hat mich schon am Anfang überfordert. Mein Crush und ich sind zwar im selben Amt, aber sie ist in einem anderen Bereich, anderer Etage und anderem Aufgabenbereich, somit hat man sich am Anfang nie wirklich gesehen. Meine Praxisanleitung (quasi mein Chef für die drei Monate) hat für mich über die Zeit eher eine Rolle als Mentor angenommen, weil er mit den selben Problemen wie ich zu kämpfen hatte (sozial & im Umgang mit Gefühlen). Er motivierte mich auf persönlicher Ebene stets, auf meinen Crush zuzugehen, vor allem im Kontext meiner sozialen Angst.

Bei uns im Azubi-Team des Amtes (bestehend aus insgesamt 6 Azubis für das P2) fördert man wöchentliche Azubi-Gespräche, die von den Azubis selbst organisiert werden müssen. Hierzu werden zwei Azubis als "Azubi-Vertretungen" gewählt...und wer hätte es gedacht, mein Crush und ich sind zur Azubi-Vertretung geworden. Dabei wollte ich eigentlich nur Azubi-Vertretung werden, weil ich mich selbst überwinden wollte. Und sie wollte wohl das gleiche. Seit diesem Tag sind wir jeden Arbeitstag im Austausch, aber immer im dienstlichen Kontext!

Über die Monate habe ich versucht, einfach durch dieses Partnerverhältnis als Azubi-Vertretung normalen Kontakt mit ihr aufzubauen. Meine Nachricht aus Oktober war (aus meiner Sicht) wie ein Tabu, worüber wir nie gesprochen haben. Wie sie das sieht, habe ich keine Ahnung. Man war halt nie miteinander in der Pause, weil sie mit ihrer Freundin immer unterwegs ist. Zudem habe ich auch mein Arbeitskollegen, mit dem ich die Pause verbringe.

Das P2 endet in zwei Wochen und M und ich verstehen uns gut, aber ich habe das Gefühl, dass immer etwas Distanz da ist. Auch Smalltalk ist inzwischen möglich, aber ich spüre dass es ihr wie mir auch nicht so leicht fällt. Ob es an mir liegt oder sie generell nicht gerne Smalltalk macht, weiß ich nicht. Mir ist jedenfalls aufgefallen, dass die drei Monate mit ihr mich mental auseinandernehmen. Ich als Overthinker und Autist kann schwer mit dem Verliebtsein umgehen, daher ist das eine dauerhafte Überlastung, selbst wenn ich sie nicht sehe. Traumabedingt glaube ich auch immer, ich wäre ein Weirdo wenn ich auf sie zugehe (außer es ist arbeitsbedingt gezwungen) und das macht es auch nicht leichter.

Ich glaube nicht, dass sie meine Nachricht aus Oktober vergessen hat. Sie weiß, dass ich sie "mag", zumindest glaube ich nicht, dass sie das so einfach vergessen hat. Menschen haben ganz verschiedene Wege sich zu verlieben, bei einigen geht es sehr schnell (mir), bei anderen kommt es mit der Zeit. Deshalb steh ich gerade im Konflikt darüber, wie ich nach dem P2 weitermachen soll, sobald ich M nicht mehr sehe. Nach dem P2 beginnt die Projektzeit, wo wir von Mitte April bis Ende Juni sehr viel Freizeit haben und uns nur über unser Projekt kümmern müssen. M und ich sehen uns voraussichtlich bis Januar 2027 nicht mehr, weil erst da beginnt die Uni wieder.

Am letzten Arbeitstag werde ich mich bei M normal über WhatsApp verabschieden. Einfach ein "Danke für deine tolle Arbeit, durch unsere Zusammenarbeit konnte ich viel lernen, viel Glück für's Projekt und dem restlichen Studium." reicht für's erste. (Nicht im gleichen Wortlaut, aber in etwa.)

Darüber hinaus möchte ich gerne wissen, wie ich weiter machen soll:

  1. Je länger die Phase des Verliebtseins bei einer Person ist, desto schlimmer geht es mir mental. Soll ich M paar Tage nach Ende des P2 schreiben und ihr mein Crush ehrlich offenbaren? Natürlich plane ich keine richtig lange Nachricht, aber dass sie meine Sicht der Dinge gut nachvollziehen kann. Ganz nett und gar nicht aufdringlich, gefolgt von der Frage, ob sie mit mir ausgehen will. Das entscheidet nämlich, ob die "Phase" mit ihr noch weiter geht, oder ob ich mich von der Hoffnung trennen kann, mit ihr zusammenzukommen...oder vielleicht sagt sie ja zu. Denn die Nachricht damals im Oktober hat leider Interpretationsspielraum: Sie könnte mit "ich habe gerade jemanden" meinen, dass sie jemanden zum Lernen hat, oder dass sie das einfach als Ausrede sagt, weil es doch sehr komisch ist, dass ich sie plötzlich nach nem Jahr anschreibe. Diesen Interpretationsspielraum möchte ich endlich weg haben. Problem an dem Geständnis ist, dass sie mich dann als "der Typ, der mich haben will" abstempeln könnte und mit mir nichts mehr zu tun haben will, weil ihr das Thema Liebe zu sensibel sein könnte. Ich habe Angst, dass das die falsche Wahl sein könnte.

  2. Ich schreibe ihr kein Geständnis und spiele "das lange Spiel", das heißt ich schreibe ihr alle paar Wochen wie es ihr geht und wie ihr Studium läuft, um passiv Kontakt aufrechtzuerhalten. Das Problem hierbei ist, dass ich ja nur vermute, dass dieser passive Kontakt mit ihr ja auch etwas bringt. Es könnte ja sein, dass M doch ein richtigen Freund hat und ich dieses "lange Spiel" umsonst spiele. Darüber hinaus fördert es auch nicht meine mentale Gesundheit, wenn ich "das lange Spiel" bis zum Ende des Studiums durchziehe.

Punkt 1 würde meine mentale Gesundheit (vermutlich) verbessern, aber es wäre ein Sprung von 0 auf 100, weil ich eine direkte Antwort (Zusage/Ablehnung) von ihr erwarte. Das könnte unser Kontakt zerstören. Punkt 2 würde meine Geduld und mentale Gesundheit unterstellen, wäre aber der sichere Weg, auch wenn ich hierbei nur vermute, dass es zu einer Beziehung führen könnte.

Was wäre besser? Da ich ja noch zwei Wochen mit ihr habe bin ich auch über andere Vorschläge oder Anmerkungen generell dankbar.

Posted Apr 5, 2026, 10:11 AM UTC

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