Partnerin hat gegen ihren Willen abgetrieben und lässt mich nicht mehr an sich ran

Hallo,

ich entschuldige mich für den provokant gewählten Titel, aber im Prinzip fasst er das gesamte Dilemma schon aussagekräftig zusammen. Ich denke, dass ich auch der dumme Idiot in dieser Sache bin. Dennoch bitte ich inständig um Hilfe.

Meine Partnerin (F28) und ich (M35) sind seit ca. 10 Jahren zusammen, haben 2024 geheiratet und sind seit letztem Jahr dabei ein Haus zu bauen. Aufgrund von einigen unvorhergesehenen Ausgaben und damit verbunden Geldsorgen kam es in den vergangenen Monaten öfters mal zum Streit zwischen uns, was ansonsten eher untypisch war. Die Stimmung ist angespannt.

Vor einigen Monaten erfuhren wir, dass meine Partnerin schwanger sei. Wir haben uns immer Kinder gewünscht, allerdings passte der Zeitpunkt bisher nie, sodass wir immer fleißig verhütet haben. Ich habe mich nicht gefreut, da kam kein oh wow oder ich werde Papa, da funkelte auch nichts in meinen Augen. Dafür könnte ich mich heute auch ohrfeigen, aber damals war das einfach ein Schlag in die Magengrube. Ich blieb sachlich distanziert und ich hatte das Gefühl, dass meine Partnerin das auch tat.

Wir haben darüber geredet, aber auch da blieb es bei sachlichen Erklärungen. Unsere Situation passt nicht. Das bedeutet zusätzlichen Stress. Wenn das Haus fertig ist, kommt noch der Umzug und die ganzen Kosten. Sie bestätigte meine Aussagen immer wieder und fragte dann nur, ob ich für sie da sein würde, wenn sie eine Abtreibung vornehmen ließe. Bis dahin haben wir das Wort nicht einmal in den Mund genommen, aber ich nickte das sofort ab.

Wir waren gemeinsam bei sämtlichen Gesprächen, ich habe sie bis zur Tür des OP begleitet und war dann auch so schnell wieder bei ihr am Bett, wie es mir von dem Krankenhauspersonal erlaubt wurde. Für mich ging das Leben danach weiter, für sie offenbar nicht so richtig. Ich habe sie seitdem nicht mehr Lächeln gesehen, bitte ich sie darum, dass sie mal wieder lächelt, dann tut sie es für einen Moment, ehe sie wieder diesen nachdenklichen Gesichtsausdruck annimmt. Ihr plötzlich alles egal, was das Haus betrifft, wobei sie mir vorher noch mächtig Druck mit der richtigen Platzierung der Steckdosen oder den tollen teuren Extras für die Küche gemacht hat. Sie distanziert sich von mir, sucht auch viel Kontakt zu ihren Freunden und lässt mich abends alleine, was sie vorher eher selten vorkam. Auch Zärtlichkeiten wirken anders, sie küsst mich nicht mehr von sich aus, wenn ich sie küsse, dann wirkt es gezwungen, kuscheln und Sex möchte sie gar nicht mehr. Es kommt mir so vor, als würde sie am liebsten aus dem gemeinsamen Schlafzimmer fliehen.

Ich fühle mich schuldig, weil ich nicht ein einziges mal gesagt habe, dass wir es auch einfach behalten könnten und das schon irgendwie hinbekommen werden. Es wäre sicherlich nicht einfach gewesen, aber auch nicht unmöglich. Ich habe nicht bemerkt, dass sie die Abtreibung vielleicht gar nicht aus eigenem Willen wollte, sondern es mir zuliebe tat. Und ich habe mein Gewissen bisher damit beruhigt, dass sie als erstes das Wort in den Mund genommen hatte, was vollkommener Bullshit ist.

Ich möchte ihr so gerne helfen, ich möchte ihr sagen wie leid mir das alles tut, aber immer wenn ich mich mit ihr hinsetzen und darüber reden möchte, blockt sie komplett ab und sucht das Weite.

Kann ich irgendetwas für sie tun?

Posted May 28, 2026, 10:44 AM UTC

3164
Loading comments…