Jack
,,Jack!“
„Jack, hast du das Sprechen verlernt?“
Jack dreht den Wasserhahn zu und schaut mich in der Reflexion des kleinen Spiegels über dem kleinen Waschbecken in der fast noch kleineren Zelle an.
„Jack! Guck dir mal deine Fingernägel an. Du müsstest mal was tun, von alleine wird sich nie was ändern.“
Er schaut sich seine Fingernägel an. Sie sind lang, und es klebt etwas Dreck darunter.
„Jack, wonach willst du damit graben?“
Jack sagt nichts und geht einfach aus dieser kleinen, schrecklichen Kammer in seine Höhle. Alles ist feucht und glitschig. Seine Schritte hallen durch die Kathedrale, und die Stalaktiten tropfen auf Jack herab. So steht er da.
„Jack, du musst dich kümmern. Was, wenn du morgen nun doch nicht tot wärst? Denk doch da nur mal dran!“
„Hältst du eigentlich nie deine Klappe?“, fragt Jack sichtlich genervt, und seine Stimme hallt durch die Höhle.
„Was machen wir heute, Jack?“
„Besorgungen.“
Er schnappt sich seinen Rucksack und klettert durch die kleine Klappe im Boden die Leiter hinunter.
„Und, bist du bereit für das Haifischbecken?“
„Jack, du sprichst nicht!“
„Weißt du, was ich nicht verstehe“, frage ich in der Hoffnung, dass Jack es auch hört. „Warum denkst du, wenn du die Möglichkeit zwischen Leid und Verderben hast, dass du trotzdem eine Wahl hättest?“
Jack holt einmal tief Luft und springt ins Wasser. Jack ertrinkt nicht. Wir halten an einem Eisberg, und Jack kriegt, was er sich wünscht, um seine Sehnsucht zu stillen.
„Jack, ich glaub’s nicht! Du bist auf einem Eisberg, der im Meer versinkt, aber du hast nichts Besseres zu tun, als auch noch Eiswürfel aus ihm zu schlagen, um sie in deine Cola zu tun!“
Jack hört nicht.
„Weißt du was, Jack?“, frage ich in der Hoffnung, dass er mir seine Aufmerksamkeit schenkt. „Damit du nicht falsch abbiegst, hättest du von Anfang an den Weg kennen müssen.“
„Das heißt?“, fragt mich Jack sichtlich neben sich.
„Es war klar, dass du so versagst.“
Jack springt wieder ins Wasser.
Als wir wieder in seiner Höhle angekommen sind, frage ich Jack und hoffe, er würde mir mal zuhören:
„Weißt du was, Jack? Du bist immer einen Schritt davon entfernt, dass dich die Ungerechtigkeit des Lebens einholt.“
„So viel?“, fragt er spöttisch.
Jack soll springen.
„Jack?“
„Bitte sei doch endlich still, ich halte dich nicht länger aus!“, ruft Jack auf einmal und rennt los.
Er rennt in sein Schlafzimmer zu dem kleinen Schrank aus Eichenholz, der gleich neben der Tür steht. Aus dem untersten Schubfach holt er die abgesägte Schrotflinte.
„Jack, das ist eine Sandbank! Du musst springen!“
Jack hat Tränen in den Augen.
„Ich hasse dich!“, brüllt er, um seiner Verzweiflung Ausdruck zu verleihen.
Er zielt auf mich.
„Spring, kleiner Vogel, vielleicht schaffst du es zu fliegen.“
Er drückt ab.
Es wird ziemlich plötzlich ziemlich dunkel.
„Jack?“, frage ich und hoffe, er kann mich hören.
„Was?“
„Ist es jetzt weg?“
„Ja.“
„Ist es jetzt besser?“
„Nein.“
„Dacht ich mir.“
Posted May 28, 2026, 10:52 AM UTC