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LeeSavi163

Mein bester Freund hat unser Mietshaus gekauft und seitdem erkennt man ihn kaum wieder.

Nachbarschaft

Hallo zusammen,

ich würde gerne mal eure Einschätzung hören, weil ich nicht mehr weiß, ob mich die persönliche Ebene zu sehr beeinflusst.

Ich wohne in einem Altbau mit sechs Mietparteien. Das Besondere ist, dass wir uns alle seit vielen Jahren kennen. Einige sind zusammen zur Schule gegangen, andere kennen sich seit der Kindheit. Über die Jahre hat sich eine richtige Hausgemeinschaft entwickelt. Man hat sich geholfen, gemeinsam gegrillt, Pakete angenommen und vieles einfach unkompliziert geregelt.

Vor einigen Jahren hat einer meiner engsten Freunde das Haus gekauft. Wichtig ist dabei: Er wohnt selbst mit im Haus und ist nicht nur Eigentümer, sondern auch direkter Nachbar. Die Mieten waren damals extrem günstig, deshalb haben wir alle einer deutlichen Mieterhöhung zugestimmt. Nicht weil wir mussten, sondern weil wir wollten, dass er mit dem Haus keinen Verlust macht. Wir haben ihn als Freund unterstützt.

Seitdem hat sich die Stimmung allerdings immer weiter verändert.

Als meine Freundin bei mir eingezogen ist, bekam ich statt eines Gesprächs direkt eine schriftliche Abmahnung, weil sie nicht offiziell angemeldet war. Früher wurde nie groß darauf geachtet, wer gerade bei wem wohnt oder wie viele Personen in einer Wohnung leben.

Danach häuften sich die Vorgaben. Unter Verweis auf den Brandschutz sollten Gegenstände aus Gemeinschaftsflächen verschwinden, während gleichzeitig regelmäßig Farbeimer, Leitern und anderes Material seiner Malerfirma im Hausflur stehen. Dadurch entsteht bei vielen das Gefühl, dass unterschiedliche Maßstäbe gelten.

Wir hatten außerdem drei Schuppen. Einer wurde seit Jahren gemeinschaftlich als Fahrradschuppen genutzt. Mittlerweile sollen die Fahrräder draußen stehen. Ein gemeinschaftlich genutzter Sportraum wurde ebenfalls ohne große Absprache aufgelöst. Die Keller mussten wegen Bauarbeiten kurzfristig geräumt werden.

Auch im Garten hat sich vieles verändert. Früher wurde die Sitzecke von allen genutzt und niemanden hat interessiert, wenn die Stühle mal anders standen. Heute werden wir regelmäßig darauf hingewiesen, "seinen" Garten ordentlich zu halten. Wenn man selbst etwas gestalten möchte, beispielsweise ein Beet anlegen oder einen Busch pflanzen, hat man das Gefühl, erst umständlich um Zustimmung werben zu müssen.

Was mich am meisten stört, ist die allgemeine Atmosphäre. Früher hatte man das Gefühl, mit Freunden und Bekannten zusammenzuwohnen. Heute fühlt es sich oft so an, als würde alles beobachtet werden. Kleinigkeiten werden plötzlich angesprochen oder kritisiert und viele überlegen zweimal, bevor sie überhaupt etwas machen.

Auch unter den Mietern macht sich diese Veränderung bemerkbar. Das frühere Gemeinschaftsgefühl ist weitgehend verschwunden und teilweise entsteht der Eindruck, dass manche Bewohner bevorzugt behandelt werden und andere nicht.

Besonders unangenehm finde ich die Situation eines anderen Mieters. Dieser hat meinem Vermieter früher öfter in dessen Malerbetrieb ausgeholfen. Der Mieter leidet allerdings seit mehreren Jahren an einer manisch-depressiven Erkrankung und kann deshalb nicht immer zuverlässig arbeiten oder in belastenden Phasen überhaupt aushelfen. In letzter Zeit fallen immer wieder Bemerkungen, die so verstanden werden können, dass seine Wohnung zukünftig auch als Büro genutzt werden könnte und man sich überlegen müsse, welchen Beitrag man eigentlich noch zum Haus leistet. Ob das ernst gemeint ist, weiß ich nicht, aber gerade vor diesem Hintergrund wirken solche Aussagen auf viele von uns ziemlich befremdlich und sorgen natürlich für Unruhe.

Mir ist bewusst, dass vieles davon rechtlich vermutlich völlig in Ordnung ist. Mir geht es auch nicht darum, dass ein Eigentümer keine Regeln aufstellen darf. Was mich beschäftigt, ist die menschliche Seite. Wir haben ihn damals unterstützt, weil er unser Freund war. Heute fühlt es sich oft so an, als sei davon nicht mehr viel übrig und als würde nur noch das Verhältnis Vermieter gegen Mieter zählen.

Bin ich zu emotional, weil eine Freundschaft im Spiel ist, oder würdet ihr euch in so einer Situation auch fragen, ob jemand nach dem Hauskauf etwas zu sehr in seiner Rolle als Vermieter aufgegangen ist?

TL;DR: Mein langjähriger Freund hat unser Mietshaus gekauft und wohnt selbst mit im Haus. Alle Mieter haben freiwillig einer Mieterhöhung zugestimmt, um ihn zu unterstützen. Seitdem gibt es Abmahnungen, neue Regeln, weniger Freiheiten und eine Atmosphäre, in der man sich oft beobachtet fühlt. Ich frage mich, ob ich übertreibe oder ob er sich tatsächlich stark verändert hat.

Posted Jun 3, 2026, 11:48 AM UTC

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