Wie Einsamkeit mein Leben verändert hat - Teil 2: Unser erstes gemeinsames Wochenende

Ich dachte auch immer, sowas passiert mir nicht. Ich hab das alles im Griff. Kein Typ der Welt, egal ob Escort oder nicht, würde es schaffen, das bei mir der Verstand so extrem aussetzt. Rückblickend betrachtet, hat da wohl so einiges an Verstand ausgesetzt.Anfangs lief alles noch easy. Leichter Kontakt. Einzelne Treffen. Doch die kurzen Treffen wurden länger. Angefangen hat’s mit einem Treffen über Nacht. Wisst ihr wie toll sich das anfühlt neben jemandem einzuschlafen, der einem gut tut? Und am nächsten Morgen auch noch neben genau dieser Person wieder aufzuwachen. Klar war mir bewusst, das ich dafür zahle. Aber dafür geh ich ja auch arbeiten um mir etwas zu
gönnen. Hab ich mir zumindest anfangs eingeredet. Je öfter wir uns trafen, desto intensiver wurde auch unser Kontakt. Zugegeben. Ich kann ganz schön nervig und
klammernd sein, wenn meine Gefühle zu stark werden. Er hat aber auch nicht aufgehört mit mir Kontakt zu halten. Obwohl ich ihm teils richtig auf die Nerven ging. Aber auch ich hab mich dadurch verändert. Durch meinen Job war es mir durchaus möglich mir spontan frei oder einfach Urlaub zu nehmen. Auch allgemein hat sich einiges in meinem Job geändert und es gab niemanden mehr, der mich ein bisschen „überwachte“. Also hatte ich freie Hand über das, was ich tat. Und so lange der Laden lief, hat sich auch keiner darum gekümmert ob ich hier bin oder nicht. So kam es dann, das wir unser erstes komplettes Wochenende zusammen verbrachten. Stand kurz auf der Kippe. Ich hab nicht wirklich alles richtig gemacht in meiner Vergangenheit. Schulden gehörten damals leider auch dazu. Allerdings dachte ich diesmal, das es mich retten würde. Aufgrund negativer Schufa-Einträge ging ich davon aus, das keine Bank mir Geld geben würde. Meine Ersparnisse waren auch aufgebraucht. Also dachte
ich eigentlich, es hätte sich erledigt gehabt. Ich weiß noch, wie hin- und hergerissen ich war. Einerseits wusste ich ja, das es besser war, ihn nicht mehr zu treffen. Andererseits hatte ich einfach Sehnsucht nach ihm. Oder wie ich heute sagen würde, nach dem Gefühl, das er mir vermittelt hat. Deswegen war ich damals auch mega happy, als der Kredit trotzdem genehmigt wurde. Unserem gemeinsamen Wochenende stand also nichts mehr im Weg. Das ich aber bereits tiefer in der Sache stecke als mir eigentlich lieb ist, hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht kapiert.
Also das erste gemeinsame Wochenende. Ich sag’s euch. Ich hatte keine Ahnung worauf ich mich da eingelassen hatte. Mir war ja durchaus bewusst, dass das alles auf
finanzieller Basis läuft. Das ich während dieses Wochenendes allerdings als Geldautomat und Taxi diene, hätte ich nicht gedacht. Angefangen hat der Spaß bereits, als ich mich drauf eingelassen hatte ihn abzuholen.
Also ging es erstmal 200 km in die komplett andere Richtung. An einem Freitag Nachmittag; auf deutschen Autobahnen. Gott war ich genervt, aber ich wollte es ja so.
Mein Plan war eigentlich ihn schnell einzuladen und dann die 600 km in die andere Richtung fahren. Aber denkste. Das war mein Plan. Nicht seiner. Er wollte erstmal etwas
Essen gehen. Na gut. Unter Protest ließ ich mich drauf ein. Immerhin wusste ich, was ich heute noch fahren muss und es war bereits nachmittags. Da war es auch noch
selbstverständlich für mich, zu bezahlen. Dann fuhren wir endlich irgendwann los. Ich war so mega happy, als er neben mir im Auto saß. Ich hatte immer so das typische Bildmit Händchen halten und küssen beim fahren im Kopf. Und ich hab’s genossen, das es ziemlich genau so ablief. Irgendwie klingt das mittlerweile so absurd. Aber damals gab es kaum etwas schöneres für mich. Als wir um Mitternacht rum ankamen, wollte er ernsthaft nochmal was Essen gehen. Da wurde mir irgendwie schon klar, das es kein günstiges Wochenende werden würde. Genervt ließ ich mich zu einem Restaurant navigieren, denn wer denkt, die nächste Pommesbude wäre genau richtig gewesen, hat
sich getäuscht. Das war so gar nicht seins. Aber ich wollte es ja so. Und um ehrlich zu sein, war ich damals durchaus bereit das alles in Kauf zu nehmen. Hauptsache er war
bei mir. Das ich selbst dadurch langsam auf der Strecke blieb, bekam ich gar nicht wirklich mit.
Wir waren recht viel unterwegs. Ich fand es wahnsinnig toll. Und wir lernten uns immer besser kennen. Er erzählte mir zum Beispiel von seinen Plänen ins Ausland zu gehen.
Ich weiß noch wie krass mich das getroffen hatte. Eigentlich wollte ich mich für ihn freuen. Er ist jung, gutaussehend, definitiv nicht auf den Kopf gefallen; also warum nicht. Er soll seine Chancen nutzen. Aber hey, das hat mich so hart getroffen. Da hab ich das erste mal richtig Angst bekommen, ihn zu verlieren. Ihn nicht mehr sehen zu
können. Oder das er das Interesse an mir verliert. Oder einfach Preise aufruft, die ich mir nicht mehr leisten könnte. Ich gab mein Bestes mir nichts anmerken zu lassen. Klappte eher semi gut. Hat er natürlich irgendwie gecheckt, auch wenn er nicht genau wusste, was los war. Wir gingen viel spazieren und redeten. Auch über Sachen wie
Beziehung und so weiter. Er hat mir auch von Anfang an zu verstehen gegeben, das es das bei uns niemals geben wird. Woraufhin ich ihm versprochen hab, das es für mich
verboten ist mich in ihn zu verlieben. Aber mal ehrlich, wer hat den Schalter für Gefühle bereits gefunden? Ich nicht. Einen Tag verbrachten wir in einem Freizeitbad. Gott
bewahre. Auch so eine Schnapsidee von mir, nachdem er vorher mal meinte, er würde gerne am Pool chillen. Ich war noch nie Fan von solchen Bädern. Oder von Bädern
allgemein. Nicht, das ich nicht gerne schwimmen gehen würde, aber mich so freizügig in der Öffentlichkeit zu zeigen, war nicht meins. Aber was macht man nicht alles um ihn glücklich zu machen, in der Hoffnung auch etwas zurück zu bekommen. Angefangen hat der Spaß bereits bei Ankunft, weil er kein Handtuch mit hatte. Leihhandtücher
waren natürlich aus. Wer musste also das Handtuch im Souveniershop bezahlen? Richtig – mein Wenigkeit. Gott war ich genervt. Aber es legte sich. Wir hatten doch recht
Spaß. In einer ruhigen Ecke erzählte er mir dann ein bisschen von meinem Job. Da merkte ich das erste Mal, das ich ihm das, was einige andere ihm bieten konnte,
niemals geben werden kann. Außer ich schaff’s doch noch endlich die 6 Richtigen zu knacken. Das hat mir einen ganz schönen Stich versetzt und meine Laune ziemlich tief
in den Keller geschickt. Da hat es auch nicht geholfen, das wir eine richtig dicke Diskussion wegen 3,-€ Pfand angefangen haben. Diese dämlichen Pfandbecher in dem
Laden. Er wollte ihn wegwerfen, ich hab Aufstand gebaut. Er hat’s nicht verstanden, ich hab ihn nicht verstanden. Für mich war das einfach Geld. Rückblickend betrachtet, habich einfach nicht verstanden, das wir beide in völlig unterschiedlichen Welten leben, was diese Thema betrifft. Alles in allem hätte ich mit diesen Ausflug damals sparen
sollen. Ich war die meiste Zeit einfach nur genervt und somit auch er irgendwie. Aber ich wär ja nicht ich, wenn ich das nicht wieder hinbekommen würde. Ich hab’s schonmal
angesprochen, mein Kopf läuft rund um die Uhr auf Hochtouren. Und am einfachsten kann ich mich über Schreiben ausdrücken. Also schrieb ich ihm kurz vor Abfahrt einen ewig langen Text auf meinem Handy. Mir ging es einfach beschissen. Dieses ganze Gerede über Geld und Ausland und keine Ahnung was noch alles, hat die Angst in mir, ihn zu verlieren einfach noch weiter angefacht. Und ich wollte ihn damals einfach nicht verlieren. Er war mir da bereits viel zu wichtig. Als ich dann im Auto auf dem Rückweg auch noch zu heulen angefangen hab, weil ich einfach überfordert mit mir und meinen Gefühlen war, hat er’s natürlich auch kapiert. Also gab ich ihm den Text zu lesen. Ich hatte ja mit allem gerechnet, aber das einzige was er tat, als er fertig war – er küsste mich. Tja, was soll ich sagen. Damit war ich wieder komplett gefangen. Aber es ging mir gut. Er hatte mich beruhigt. Und nebenher versichert, das ich keine Angst haben muss. Ich werde ihn nicht verlieren. Bis jetzt hat er sein Versprechen auch tatsächlich eingehalten.

Posted Jul 8, 2026, 9:31 AM UTC

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