Zusammenleben mit schwierigem Familienmitglied – wie würdet ihr mit so einer Situation umgehen?
Hallo zusammen,
ich suche mal eine Einschätzung von außen, weil ich aktuell nicht weiß, wie ich mit der Situation umgehen soll.
Ich bin vor kurzem wieder zu meinen Eltern gezogen, weil meine Mutter krank geworden ist und ich sie unterstützen wollte. Davor hatte ich 2 Jahre Abstand und kaum Kontakt zu meinem Vater, eigentlich hauptsächlich nur zu meiner Mutter. Ich dachte ehrlich gesagt, dass sich die Situation vielleicht verändert hätte und es besser werden könnte. Leider merke ich jetzt, dass viele alte Probleme wieder da sind.
Mein Vater ist schon immer schwierig im Umgang gewesen. Wenn ihm etwas nicht passt oder jemand eine andere Meinung hat, wird er sehr schnell wütend, laut und beleidigend. Das Problem ist, dass er später oft so tut, als wäre nichts gewesen, während die anderen die Situation trotzdem mitnehmen.
Seit meiner Kindheit kenne ich dieses Verhalten. Früher war es eher Enttäuschung, aber mittlerweile hat sich sehr viel Frust angesammelt. Man hat oft das Gefühl, dass normale Gespräche kaum möglich sind, weil Kritik oder Verbesserungsvorschläge sofort als Angriff gesehen werden.
Was mich besonders belastet, ist seine Doppelmoral. Er hält oft große Reden über Ordnung, Sauberkeit und Geduld, aber setzt diese Dinge selbst nicht immer um. Er macht oft nur das Nötigste – manchmal nicht einmal das. Gleichzeitig erwartet er von anderen Verständnis, ist aber selbst sehr ungeduldig und wird schnell wütend, wenn etwas nicht nach seinen Vorstellungen läuft.
Ich versuche eigentlich immer, Lösungen zu finden und Kompromisse zu machen. Mir geht es nicht darum, Streit zu suchen oder ihn anzugreifen. Ich möchte einfach Probleme ansprechen und gemeinsam eine Lösung finden.
Aber egal, was man ihm sagt oder wie oft man auf ein Problem hinweist: Es wird meistens nichts geändert. Er sieht die Probleme zwar, aber hinterfragt sein eigenes Verhalten kaum. Statt sich zu überlegen, was er selbst ändern könnte, wird oft die Schuld bei anderen gesucht. Es fühlt sich an, als wäre immer jemand anderes verantwortlich, aber nie das eigene Verhalten.
Ein aktuelles Beispiel sind seine Wellensittiche. Er hält viele Vögel und züchtet immer wieder neue, obwohl meiner Meinung nach bereits viele vorhanden sind. Der Käfig ist nicht sicher genug, sodass die Vögel immer wieder entkommen können. Zwei Vögel sind bereits weggeflogen.
Als die Vögel weggeflogen sind, ist er komplett eskaliert. Er hat sich verhalten, als wäre die ganze Welt gegen ihn, und hat tagelang jeden beleidigt und seine schlechte Stimmung an uns ausgelassen. Dabei hatte ich ihn vorher schon mehrfach darauf hingewiesen, dass der Käfig verbessert werden müsste, damit genau so etwas nicht passiert.
Zusätzlich raucht er im selben Raum, in dem die Vögel sind, und die Wohnung wird dadurch stark belastet. Die Vögel fliegen frei herum und machen überall Dreck.
Er hat außerdem sehr viele Pflanzen. Der komplette Balkon ist vollgestellt. Ich habe ihn mehrfach darauf hingewiesen, dass große Pflanzen am Fenster nicht richtig gesichert sind. Trotzdem wurde nichts geändert. Durch einen Windstoß sind bereits zweimal Pflanzen beziehungsweise Vasen heruntergefallen und kaputtgegangen.
Auch hier war das Problem vorher bekannt, aber es wurde erst reagiert, nachdem etwas passiert ist.
Ich wollte bei den Vögeln eigentlich nur helfen und habe versucht, den Käfig sicherer zu machen. Für mich war das eine kleine Sache und gut gemeint. Er hat es aber als Angriff gesehen, ist komplett ausgerastet, hat mich beleidigt und die Situation wurde so schlimm, dass er sogar körperlich werden wollte.
Ich habe danach alles wieder entfernt, weil ich keinen weiteren Streit wollte. Ich wollte ihm nichts wegnehmen, sondern nur helfen.
Mittlerweile merke ich, dass mich das Zusammenleben sehr belastet. Ich bin zurückgekommen, um meine Mutter zu unterstützen, aber ich merke, dass ich diese ständigen Konflikte nicht mehr aushalte und darüber nachdenke, wieder auszuziehen.
Hat jemand ähnliche Erfahrungen mit einem Familienmitglied gemacht, das schnell aggressiv wird, keine Kritik akzeptiert und Probleme lieber auf andere schiebt?
Wie seid ihr damit umgegangen? Ist Abstand manchmal die beste Lösung?
Danke für eure Meinungen.
Posted Jul 25, 2026, 7:41 PM UTC