Laufbahnprüfung (gehobener Dienst, Steuern) knapp nicht bestanden. Fragwürdige Korrektur, habt ihr ähnliche Erfahrungen?

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Hey zusammen,

ich habe vor kurzem die schriftliche Laufbahnprüfung für den gehobenen Dienst in der Steuerverwaltung knapp nicht bestanden. Es gab fünf Klausuren. Der Durchschnitt lag genau auf der Bestehensgrenze. Weil aber nicht die Mehrheit der Einzelklausuren die Mindestpunktzahl erreicht hat, gilt die Prüfung trotzdem als nicht bestanden. Schon eine einzige Klausur, die eine Notenstufe höher bewertet worden wäre, hätte mir für die Zulassung zur mündlichen Prüfung gereicht.

Bei zwei der Klausuren fehlen mir laut Punktrahmen jeweils nur wenige Punkte zur nächsten Notenstufe, bei einer dritten deutlich mehr.

Bei der Akteneinsicht habe ich mehrere unterschiedliche Fehlerarten in der Korrektur festgestellt, die ich hier mal nach Kategorie sortiere. Ich habe mir seitenweise Fehler und Fragen aufgeschrieben die mir aus der Korrektur heraus nicht ersichtlich sind oder die ich für fragwürdig halte. Ohne die genauen Aufgaben und Antworten nennen zu können ist es natürlich etwas schwer die Problematik nachzuvollziehen aber ich gebe mein Bestes das darzustellen.

  1. Fehlende Bewertung von Folgefehlern

Das kam in einer Klausur sehr häufig vor, praktisch durchgängig über die ganze Bearbeitung, während es in den anderen vier Klausuren an vielen Stellen erkennbar honoriert wurde. Gemeint ist damit: Wenn man eine Vorfrage anders löst als die Musterlösung, aber auf dieser eigenen (falschen) Prämisse konsequent und schlüssig weiterarbeitet, bekommt man in der Regel trotzdem Teilpunkte für die richtige Anwendung der Folgeschritte. Genau das ist in einer Klausur an mehreren Stellen ausgeblieben. Theoretisch hätte das nach meiner Einschätzung mehrere Punkte ausmachen können, gerade weil es sich um mehrere aufeinander aufbauende Teilaufgaben handelte.

  1. Bewertung als falsch trotz vertretbarer Alternative

Das ist mir zwei- bis dreimal aufgefallen, verteilt auf zwei Klausuren. Dabei geht es um Fälle, in denen ich eine andere rechtliche Einordnung oder eine andere Rechtsgrundlage herangezogen habe als die Musterlösung, die aber fachlich vertretbar wäre, teilweise auch, weil im Unterricht selbst unterschiedliche Auffassungen vermittelt wurden. Diese wurden komplett mit null Punkten bewertet, statt als vertretbare Alternative wenigstens teilweise anerkannt zu werden. Der Unterschied wäre hier vermutlich der größte Hebel gewesen, weil es meist um mehrere Punkte pro betroffene Teilaufgabe ging.

  1. Nicht honorierte vollständige eigene Argumentation

Einmal habe ich eine komplette, in sich stimmige Herleitung zu einer Abgrenzungsfrage geliefert, die inhaltlich der erwarteten Argumentationsstruktur entsprach, dafür aber nur einen kleinen Bruchteil der vorgesehenen Punkte bekam, ohne dass irgendeine inhaltliche Anmerkung erklärt, warum. Kam einmal vor, betrifft aber eine höher gewichtete Teilaufgabe, daher wäre der Punktunterschied bei korrekter Bewertung spürbar gewesen.

  1. Nicht ausgeschöpfter Punktrahmen trotz vollständiger Lösung

Einmal wurde eine Teilaufgabe, bei der ich die komplette geforderte Lösung geliefert habe, nur mit etwa drei Viertel der laut Punkterahmen vorgesehenen Punkte bewertet, ohne erkennbaren Grund für den Abzug. Das war ein kleinerer Punktunterschied im Bereich eines halben Punktes, aber bei einer ohnehin knappen Gesamtpunktzahl ist auch das relevant.

  1. Doppelte oder widersprüchliche Bewertung derselben Aussage

Einmal wurde eine Aussage, die ich bereits an früherer Stelle korrekt getroffen und dort auch mit Punkten honoriert bekommen hatte, an einer späteren Stelle noch einmal negativ vermerkt, obwohl ich sie dort im Text gar nicht wiederholt hatte. Wirkt für mich wie eine Verwechslung zwischen meiner Bearbeitung und einer anderen Stelle im Text. Theoretisch könnte dadurch ein Punkt zu Unrecht doppelt abgezogen worden sein.

  1. Fehlende Transparenz der Korrektur

Eine Klausur enthält über die gesamte Bearbeitung hinweg gar keine Randbemerkungen oder Hinweise darauf, wie die Musterlösung zugrunde gelegt wurde. Das betrifft die ganze Klausur und macht es extrem schwer nachzuvollziehen, wie einzelne Punkte zustande gekommen sind. Ein direkter Punkteffekt lässt sich daraus nicht ableiten, aber es erschwert erheblich die Möglichkeit, die übrigen Fehler überhaupt zu erkennen und zu belegen.

  1. Fragliche Unabhängigkeit der Zweitkorrektur

Bei allen fünf Klausuren gibt es jeweils nur einen gemeinsamen Bewertungsbogen von Erst und Zweitkorrektor, ohne erkennbaren eigenständigen Bewertungsbogen der Zweitkorrektur. Die Punkte sind jeweils bei allen 5 Klausuren von beiden Korrekturen immer exakt gleich. Bei zwei Klausuren war dieselbe Person einmal Erst (Klausur A) und einmal Zweitkorrektur (Klausur B). Auch das ist kein unmittelbarer Punkteffekt, sondern vielleicht eher ein Verfahrensmangel, der die gesamte Bewertung in Frage stellen könnte, wenn sich das bestätigt.

Ich habe fristgerecht Widerspruch eingelegt und arbeite gerade an der ausführlichen Begründung nach vollständiger Akteneinsicht. Rechtlich stütze ich mich unter anderem auf die klassischen Argumente zum Bewertungsspielraum, also Verkennung anzuwendenden Rechts, sachfremde Erwägungen und Verletzung allgemeingültiger Bewertungsmaßstäbe. Außerdem frage ich mich, ob eine derart uneinheitliche Anwendung von Korrekturgrundsätzen innerhalb derselben Prüfung überhaupt zulässig sein kann.

Meine Fragen an euch:

  1. Hat jemand von euch schon mal ähnliche Fehlerarten bei einer Verwaltungs oder Laufbahnprüfung erlebt, also fehlende Folgefehlerbewertung, nicht anerkannte vertretbare Alternativen, zweifelhafte Zweitkorrektur oder eine Art Doppelbewertung?
  2. Wie sind eure Erfahrungen mit Widerspruchsverfahren gegen Prüfungsbescheide gelaufen? Wurde bei euch tatsächlich nachkorrigiert oder bleibt es meistens beim ursprünglichen Ergebnis?
  3. Falls es am Ende sogar vor ein Verwaltungsgericht ging, wie waren da eure Erfolgschancen und was hat am Ende den Ausschlag gegeben?
  4. Gibt es aus eurer Erfahrung typische Fehler, die man in so einer Begründung unbedingt vermeiden sollte?

Bin für jede Erfahrung dankbar, auch wenn es am Ende nicht geklappt haben sollte. Hilft mir trotzdem, realistisch einzuschätzen, was ich erwarten kann.

Posted Aug 12, 2026, 3:33 AM UTC

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