Ich weiß nicht, mit welcher Baustelle ich überhaupt beginnen soll
Hallo Reddit,
ich schreibe diesen Text hier, weil ich ein Ventil brauche. Aber ich hoffe auch, dass ich von eurem Umgang mit mentalen Problemen lernen kann. Vielleicht hat jemand einen Ansatz, den ich verfolgen kann?
Zunächst mal zu mir: Ich bin männlich, 24 Jahre alt und bin seit Anfang Januar in einem Vollzeitjob mit Wechelschichten angestellt. Mal arbeite ich 20 Stunden die Woche, mal 60 Stunden. Den Job an sich liebe ich. Allerdings ist er sowohl körperlich als auch psychisch anstrengend.
Schon seit Jahren aber habe ich psychische Probleme. Ich selbst vermute da ADHS und depressive Episoden. Ich habe einen Freundeskreis, in dem beides bei mehreren Personen diagnostiziert ist und sehe massive Überschneidungen. Allerdings fällt es mir unendlich schwer, mal einen Prozess zu starten, das alles anzugehen. Ich war mal bei einem Psychologen. Wir hatten drei Kennenlerngespräche und er stellte mir die Verdachtsdiagnose einer Anpassungsstörung. Sehr passend, weil ich durchaus einige Kindheitstraumata mit mir herumschleppe. Nur leider war mir der Typ sehr unsympatisch, weshalb ich nach der dritten Sitzung den Kontakt mit ihm abbrach
Dazu kommen noch Probleme mit meiner Selbstwahrnehmung. Ich nehme mich als hässlich und übergewichtig wahr. In der Tat war ich damals, bis ich 21 war, übergewichtig. In der Schule wurde ich auch eine Zeit lang für mein Aussehen und meine Art gemobbt. Inzwischen bin ich nicht mehr übergewichtig. Allerdings hasse ich meinen Körper und meine ungesunden Essgewohnheiten weiterhin sehr.
Es gibt aber einen Anlass, warum ich jetzt auch hier Hilfe suche: Es wird zu viel. Ich konnte eine Zeit lang sehr gut mit allen Problemen leben. Während der Zeit meiner Ausbildung, also Anfang des Jahres, fühlte ich mich gleich für mehrere Monate am Stück sogar gesund. Aber jetzt geht das immer weiter zurück. Ich bin so empfindlich für Reize geworden wie nie zuvor. Gerade versuchte ich mich an einem Spaziergang. Die Sonneneinstrahlung, jegliches kleines Geräusch, jedes Gefühl von meinem Körper fühlte sich wie ein Übergriff an. Selbst mit einer Sonnenbrille und Kopfhörern mit ANC bin ich schnell überreizt. An manchen Tagen verrotte ich in meiner Wohnung und schaffe nichts mehr als zu Essen und YouTube Videos zu schauen.
Auf der Arbeit kann ich das gut unterdrücken. Da wirke ich auf die meisten Leute engagiert, gesund und super toll. Das freut mich. Aber die Schichten, die teilweise sogar über 12h andauern, ziehen an mir.
Das alles zusammen überfordert mich extrem. Ich weiß nicht wo ich anfangen soll. Trotz meines Freundeskreises, wo fast alle auch psychische Probleme haben und sehr verständnisvoll sind, fühle ich mich mit der Sache sehr alleine.
Erschwerend hinzu kommt jetzt noch, dass ich mich um einen Umzug kümmern muss. Boah...!
Was mir also alles an psychischen "Baustellen" oder negativen Eigenschaften von mir einfällt:
- Probleme mit dem Selbstwert/Aussehen
- Essverhalten
- Aufmerksamkeitsprobleme und Überreizungen
- Traumata aus der Kindheit
- Angst davor, alleine zu sein
- Angst davor, sich bei allen möglichen Sachen zu blamieren
Dazu möchte ich noch kurz hinzufügen, dass ich auch körperlich nicht vollständig gesund bin und mit 24 schon an chronischen Rückenschmerzen leide. Da bin ich aber etwas weiter und sozusagen in Behandlung.
Ich würde mich einfach sehr darüber freuen, eure Perspektive darauf zu hören. Oder diese Worte einfach nur in diesen Raum stellen zu dürfen. Das alles loszuwerden hilft schon ein wenig.
Liebe Grüße
Posted Aug 13, 2026, 4:44 PM UTC