Ab wann bringt mehr Diversifikation nichts mehr? Ein Rechenversuch über 6,5 Jahre

Research (DueDiligence)

Die Faustregel kennt jeder: Streu breit, dann trifft dich ein einzelner Ausfall nicht so hart. Nur sagt einem niemand, wo die Grenze liegt. Zwanzig Aktien? Fünfzig? Ab wann bringt die nächste Position nichts mehr?

Ich hab das durchgerechnet. Sechs Depotgrößen von 15 bis 100 Titeln, gleicher Zeitraum, gleiche Auswahlregeln, nur die Anzahl verändert. Über 6,5 Jahre, von 2019 bis 2025.

Das Ergebnis hat mich in einem Punkt überrascht.

Die Volatilität sinkt, der Drawdown nicht

Bei mehr Titeln schwankt das Depot im Alltag weniger, von 20,4 auf 17,3 Prozent. Das ist der Effekt, den man erwartet, und er funktioniert.

Der maximale Verlust wurde trotzdem nicht kleiner, sondern größer. Bei 100 Titeln fiel er 4,5 Prozentpunkte schlechter aus als bei 30. Gleichzeitig kostete die breitere Streuung 8,4 Prozentpunkte Rendite pro Jahr.

Das klingt widersprüchlich, ist es aber nicht. Ruhigere Schwankung im Alltag heißt nicht, dass es im Crash weniger weh tut. Wenn der ganze Markt fällt, fallen alle mit, egal wie viele es sind.

Portfoliogrößen

Warum die Rendite so stark leidet

Das hängt daran, wie ausgewählt wird. Wer nach irgendeinem Kriterium sortiert, ob nach Kennzahlen, Charts oder eigenem Urteil, hat eine Rangfolge im Kopf. Die besten Ideen stehen oben.

Bei 30 Positionen kauft man die Top 25. Bei 100 muss man bis Rang 83 runter. Damit landen Aktien im Depot, die man selbst für mittelmäßig hält. Man verwässert nicht das Risiko, sondern die eigene Auswahl.

Nach unten gibt es auch eine Grenze

15 Titel brachten mehr Rendite und sogar einen etwas flacheren Drawdown. Aber die Schwankung stieg von 20,4 auf 26,8 Prozent, und ein einzelner Totalausfall macht dann fast sieben Prozent des Depots aus. Bei 30 sind es 3,3. Das ist ein Unterschied, den man im Ernstfall spürt.

Was der Test nicht sagt

Der Zeitraum enthält zwei Stressphasen, Corona und 2022. Das ist nicht viel, zweimal geklappt heißt nicht immer.

Transaktionskosten sind nicht drin. Mehr Titel bedeuten mehr Umschichtungen, real würden die größeren Varianten also noch schlechter dastehen.

Und das Wichtigste: Für ein ETF-Portfolio gilt das hier nicht. Ein breiter Index sortiert nicht nach Qualität, dort greift die Rechnung mit der verwässerten Auswahl gar nicht.

Ab wie vielen Positionen verliert ihr den Überblick über euer Depot? Mich interessiert die praktische Grenze im Alltag, nicht die theoretisch optimale. Und wer hat mal bewusst zusammengestrichen oder aufgestockt, und was war der Auslöser?

Keine Anlageberatung, eigenes Research. Backtest, kein Live-Ergebnis.

Posted Sep 8, 2026, 5:01 PM UTC

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