So schwer war es noch nie.

Story

Ich, 44m, hab schon drei Mal in meinem Leben mehr als 25 Kilo abgenommen.

Seitdem ich 10 bin war ich übergewichtig. Falsches Essen und insbesondere falsche Getränke, kaum Bewegung, sitzende Tätigkeiten, ihr wisst schon. Mein ganzes Leben kämpfe ich gegen die Gewohnheiten, tief eingeschliffen sind sie. Selbstverschuldet oder nicht, das spielt keine Rolle. Der Hunger ist immer groß, Essen spielt in meinem Kopf eine besondere Rolle. Dagegen wehren kann ich mich kaum.

Beim ersten Mal rückte mir der Wehrdienst zu Leibe, im wahrsten Sinne des Wortes. Doch nach drei Monaten Grundausbildung kam die Langeweile, der Bewegungsmangel und das Essen zurück. Die 120 Kilo waren schnell wieder erreicht. Das zweite Mal hatte ich irgendein Problem im Innenohr. Ständige Übelkeit war die Folge, das Laufen half. 6 Monate, 25 Kilo weniger, 92 Kilo auf der Waage. Crazy. So dünn war ich nie. Aber auch hier schlug die Gewohnheit wieder zu. Langsamer als beim ersten Mal, aber stetig, rauf bis 120 Kilo.

Beim dritten Mal machte ich es anders. Ich beschäftigte mich mit Ernährung und startete die einfachste und effektivste Maßnahme: das Kalorienzählen, also weniger reinstopfen als benötigt wird. Das zeigte mir auch, wie irrsinnig meine Ernährung als Kind gestaltet war. Ich verzichtete auf extra Sport, der macht nämlich hungrig. Und ich hatte Hunger, ÜBERWÄLTIGENDEN Hunger, jeden Tag, jede Minute. Doch ich hielt durch und war binnen 12 Monaten wieder runter auf 92 Kilo. Letztes Jahr dann der Rückschlag: die Gallenblase war im Eimer. Das Abnehmen könnte die Ursache sein, das zumindest vermuteten die Ärzte. Die OP habe ich gut durchgestanden, aber ab Tag 1 kannte die Waage nur eine Richtung: Aufwärts.

Als die Waage die 100 wieder durchbrach, war ich ein Nervenbündel, völlig fertig. Ich musste was tun, aber das Hungern fiel und fällt mir so schwer. Also erinnerte ich mich an meine "sportlichen" 20er. Da stand auch mal Krafttraining auf dem Programm, ich habe also etwas Erfahrung. Und die Kalkulation ist ja grundlegend betrachtet einfach: Mehr Muskeln => mehr Verbrauch => leichter abnehmen.
Und so begann es Anfang diesen Jahres: Muskelaufbau, Dreiersplit + Cardio, mehr Proteine. Doch die Waage war nicht aufzuhalten. Bei 109 Kilo zog ich die Reißleine. Umstellung auf Fünfersplit + Cardio (täglich), Reduktion auf 1700 kCal täglich.

Nun sitze ich hier, hab beim Training mindestens sieben Mal gegähnt und beim Laufen durchweg an Essen gedacht. Ich zog am grillenden Nachbarn vorbei; da wollte ich ihm am liebsten die Wurscht vom Rost klauen...

Die ersten paar Kilo sind runter und ich bin ein Wrack. Sportlich geht's aufwärts, krasser als erwartet. Im Spiegel sehe ich eine deutliche Veränderung. Der Bauchumfang sinkt, der Brustumfang steigt. Aber der nervliche Preis ist hoch. Gefühlt im Minutentakt zieht es mich zum Kühlschrank, immer nach demselben Schema: aufklappen, reingucken, zuklappen. Der Hunger ist gigantisch und lässt immer nur für Minuten nach, wenn ich ENDLICH meine Proteinportion reinschaufeln durfte. Ich bemühe mich um meine 150g Protein täglich, das macht das kalorische Balancing aber so schwer. Ich kann kein Gemüse mehr sehen, jeder Essensgeruch treibt mich in den Wahnsinn.

Entweder mache ich dieses Mal (wieder) alles falsch, oder ich mache alles richtig und der Weg ist nunmal so schwer, sodass ich mich schlicht damit abfinden muss.

Wenn ich es durchhalte - noch bin ich zuversichtlich - ist der Spuk Weihnachten vorbei. Doch meine eigentliche Herausforderung kommt erst noch, nämlich nach Beendigung des Cuts nicht weiter zu machen wie vorher, sondern langsam wieder in Richtung normal zu gehen und dieses "normal" stets zu überwachen.

Vielleicht hat jemand einen ähnlichen Weg hinter sich und mag mir einen Rat geben.

Ich entschuldige mich für den langen Text. Dafür ist er von Hand geschrieben :)

Posted Sep 11, 2026, 3:21 PM UTC

1439
Loading comments…