Psychisch am Ende
Meine Freundin und ich sind seit etwas über einem Jahr zusammen und vor ungefähr einem Monat zusammengezogen. Bis vor ein paar Wochen war eigentlich alles super zwischen uns.
Wir haben zwar auch vorher nicht extrem viel zusammen unternommen, weil wir beide ziemlich verplant sind. Wenn wir Glück haben, gibt es vielleicht einmal im Monat einen Tag am Wochenende, an dem wir beide nichts vorhaben und wirklich Zeit miteinander verbringen können. Das war für mich bisher aber auch okay.
Vor etwa drei Wochen hat sie ihr Examen bestanden und seitdem fühlt sie sich mir gegenüber irgendwie anders bzw. distanzierter an.
Sie sagt selbst, dass sie momentan einfach komplett überfordert ist. Neue Wohnung, ihr Job und der Workload dort, mit dem sie unzufrieden ist, ihr Hund und zusätzlich noch ihr Strukturvertrieb, den sie während der Klausurenphase wohl ziemlich vernachlässigt hat und jetzt wieder mehr verfolgen möchte.
Das kann ich grundsätzlich auch verstehen. Ich möchte sie unterstützen und ihr keine Steine in den Weg legen. Wenn das ihr Traum ist und sie das machen möchte, dann soll sie das auch machen. Ich supporte sie dabei.
Trotzdem merke ich langsam, dass die Situation psychisch ziemlich an mir nagt.
Letzte Woche war sie beispielsweise fast komplett auswärts unterwegs. Heute und morgen ist sie ebenfalls wieder weg. An vielen Tagen sehe ich sie eigentlich erst gegen 22 Uhr, wenn sie nach Hause kommt.
Das kam früher auch schon vor, aber seit wir zusammen wohnen, fühlt es sich für mich irgendwie anders an. Ich bekomme momentan teilweise ein richtig kaltes Gefühl von ihr bzw. habe das Gefühl, dass sie gar keine wirkliche Lust darauf hat, etwas mit mir zu unternehmen oder bewusst Zeit mit mir zu verbringen.
Körperliche Nähe gibt es hin und wieder mal. Wir kuscheln und sie sagt auch von sich aus, dass sie mich liebt. Gleichzeitig lief seit ein paar Wochen im Bett gar nichts mehr. Das alleine würde mich wahrscheinlich nicht einmal so sehr beschäftigen, weil ich weiß, dass Stress und Überforderung da eine große Rolle spielen können. Aber zusammen mit allem anderen macht es mich unsicher.
Was mich zusätzlich extrem triggert, ist, dass sie teilweise ihren Standort ausschaltet, wenn sie unterwegs ist.
Darüber hatten wir schon einmal gesprochen und sie weiß auch, dass mich das verunsichert. Beim letzten Mal meinte sie, dass der Bruder einer Freundin ihren Standort sehen kann und die Freundin ihm wohl erzählt hatte, dass sie mit meiner Freundin Motorrad fahren geht. Deshalb hätte sie den Standort ausgeschaltet.
Heute war er allerdings wieder aus.
Ich möchte daraus keine Fremdgeh-Geschichte konstruieren. Eigentlich glaube ich auch nicht, dass sie mir fremdgeht. Trotzdem fängt mein Kopf natürlich an, sich Gedanken zu machen, gerade weil sich ihr Verhalten gleichzeitig so verändert hat.
Was mich wahrscheinlich am meisten fertig macht: Ich sitze teilweise alleine in unserer gemeinsamen Wohnung, kümmere mich um ihren Hund und verbringe gefühlt momentan mehr Zeit mit ihm als mit meiner Freundin.
Ich möchte sie wirklich unterstützen und ich will auch nicht der Partner sein, der ihr sagt, dass sie weniger arbeiten, weniger unternehmen oder ihre Ziele zurückstellen soll. Gleichzeitig merke ich aber, dass ich mich in unserer Beziehung momentan ziemlich alleine fühle.
Vielleicht steigere ich mich auch zu sehr hinein. Deshalb würde mich eine Einschätzung von Außenstehenden interessieren:
Wie würdet ihr die Situation einschätzen? Klingt das für euch eher danach, dass sie momentan einfach komplett überfordert und gestresst ist? Oder würdet ihr euch bei dieser plötzlichen Veränderung ebenfalls Gedanken machen?
Und vor allem: Wie würdet ihr das ansprechen, ohne kontrollierend oder vorwurfsvoll rüberzukommen?
Posted Sep 14, 2026, 7:53 PM UTC