Angebliche Neurodivergenz ohne Diagnose

Mental Health

Vorweg: Das soll kein Beitrag sein, um das Konzept der Neurodivergenz zu diskreditieren oder sich gar abfällig über neurodivergente Menschen zu äußern.

Es geht mir um folgende Konstellation.

Ich hatte letztens einen Austausch mit einem Menschen, der sehr früh in der Kommunikation mitteilte: "Ich bin neurodivergent. Eine Diagnose habe ich nicht, wollte ich nicht, aber ich bin es."

Im weiteren Verlauf der Kommunikation fiel mir schon auf, dass dieser Mensch sich sehr anders verhielt, als ich es bei mir, meinem Freundeskreis und meiner Familie gewohnt bin. Ich empfand das Kommunikationsverhalten auch als anstrengend. Um einen Einblick zu geben:

  • Wortwiederholungen ohne Gehalt: "Krass. Krass krass krass krass! Also, echt! Krass!" usw. Und das ständig.
  • Mehrfaches Erzählen desselben Sachverhalts, aber jedes Mal, als wäre es neu, mit derselben emotionalen Anteilnahme.
  • Für mich völlig überzogene Reaktionen auf Widrigkeiten des Alltags.

Gut, was ich als anstrengend empfinde, kann für andere Menschen ok sein – das ist in Ordnung. Aber worum es mir geht und wozu ich mich über Einschätzungen freuen würde: Wie geht ihr mit Menschen um, die von sich sagen, neurodivergent zu sein, ohne dass es hierzu eine Diagnose gäbe? Besonders dann, wenn es mit dem Subtext geschieht, dass die Neurodivergenz eine Entschuldigung für bestimmte Verhaltensweisen wäre und Mitmenschen tolerant gegenüber diesen Verhaltensweisen sein sollten?

Ich persönlich vertrete die Ansicht, dass Diagnosen durchaus bestimmte Verhaltensweisen entschuldigen können (aber auch nicht alle). Aber wenn lediglich eine vage Selbst"diagnose" namens "Neurodivergenz" vorliegt, dann erweckt das bei mir den Eindruck, dass hiermit lediglich Toleranz für sozialinadäquates Verhalten eingefordert werden soll.

Posted Sep 23, 2026, 8:45 AM UTC

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