Dann kannst du nicht mehr wegsehen – ein nicht so wirklich queerer Roman

Rezension

– leichte Spoilerwarnung: Ich erzähle, was am Buch queer ist. –

„Dann kannst du nicht mehr wegsehen“ ist ein Jugendroman von Jana Fuhrmann. Der Klappentext verrät uns:

Einzelgängerin Jella lässt den Wahnsinn der Welt an sich abprallen, bis sie Linn trifft. Linn schaut hin, wenn Tiere gequält, ausgebeutet und getötet werden. Nach kurzem Zögern schließt Jella sich ihrer Aktivistengruppe an und lässt in der Freundschaft zu Linn echte Nähe zu. Aber bald reichen Jella die Aktionen nicht mehr und sie sucht Kontakt zu radikaleren Tierrechtlern. Der Kampf für die Tiere wird zu ihrem Lebensinhalt. Sie gibt alles für die Sache, doch plötzlich geht gar nichts mehr ...

Wie es sich für einen Jugendroman gehört, ist das Buch ein echte Pageturner. Gerade, wenn man Wut oder Stress in Büchern gut abkann, lassen sich die knapp 300 Seiten bestimmt auch an einem Tag lesen. Ich brauchte nach manchen Kapiteln eine Pause, weil es stellenweise doch recht explicit wird (TW Gewalt an Tieren). Jan Fuhrmann schreibt schön und es ergibt sich ein guter Lesefluss. Im ganzen hat mich das Buch also gut erreicht und mitgenommen. Es gibt viele Denkanstöße, die für viele, nicht nur jüngere Menschen mit Sicherheit spannend sind.

Zu Beginn bekommen wir Jellas Leben geschildert und wie sie in schnellen Schritten aktivistisch wird. Sie lernt neue Leute kennen und nimmt an diversen Aktionen teil. Dieser Abschnitt im Buch ging mir etwas zu schnell. Oft wunderte ich mich über Sprünge, weil ich gerne noch etwas mehr über die jeweilige Phase oder Situation erfahren hätte.
Ähnlich ging es mir bei den queeren Themen. Vielleicht hatte ich mir zu viel erhofft – immerhin habe ich die Empfehlung aus einer queeren Zeitschrift – aber es kam nicht viel. Die Liebesbeziehung spielt eine winzige Rolle am Rand, und wäre da nicht der eine Kuss des Buches, würde ich es nicht einmal queer nennen.

Was die Geschichte an Queerness und Aktivismus spart erzählt sie über Mental Health, und zwar nicht zu knapp. Ziemlich genau ab der Hälfte des Buches geht es nur noch um Mental Health. Viel davon spielt sich in einer stationären Einrichtung ab, was uns schon im Prolog versprochen wird. Dieser Teil des Buches ist wirklich stark und wird im Detail mit Vor- und Nachspiel erzählt.

Ich empfehle das Buch vor allem jenen, die noch nicht besonders viel über Veganismus und Mental Health wissen. Auch ich hatte damit meinen Spaß, werde es aber nicht nochmal lesen.

Posted Aug 25, 2025, 10:45 AM UTC

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